Aktiv und gerecht

Blogbeitrag von NaSt, 07.06.2011

Sie überschreiten Grenzen, indem sie sich an den unmöglichsten Orten bäuchlings fotografieren lassen. Buttons auf dem Profilbild signalisieren ihre Vorbehalte gegen Atomkraft.
Sie schließen sich in skurrilen Interessensgruppen zusammen und huldigen der Vergangenheit des Planeten Pluto als neuntem Planeten der Sonne. Facebook-Nutzer!
Facebook ist längst mehr als das eigene Profil. Wie viele soziale Netzwerke bietet es mit unzähligen Anwendungen Gelegenheit, möglichst viele Menschen zu erreichen oder sich in Umfragen, Foren und Kunstaktionen politisch und gesellschaftlich zu positionieren.

Als Portal für Kulturschaffende und -konsumenten, begünstigt es durch den Austausch von Musik, Videos, Bildern oder Texten gleichermaßen die Aufmerksamkeit für bekannte und weniger bekannte aber dennoch interessante Künstler. Das ist ein positiver Effekt der Vernetzung.

Wird der gepostete und unbearbeitete Inhalt jedoch nicht mit seinem Urheber in Verbindung gebracht, ist dies eher nachteilig. Auch die Medien, die für oben genannte Aktionen genutzt werden, stammen nicht unbedingt aus Eigenproduktion. Dabei gilt der Urheberschutz laut den Facebook Nutzungsbedingungen[1] als Voraussetzung für die Erstellung eines Profils. Im Falle eines Verstoßes haben sämtliche User der Webseite die Möglichkeit, die Verletzung eigener oder anderer Rechte zu melden.

Dennoch wird die Wahrung von Urheberrechten gerne im Eifer des Gefechtes vernachlässigt. Das nötige Bewusstsein für die Nutzung geistigen Eigentums, den Schaden am Urheber und die Folgen für den User scheinen nicht vorhanden oder zuweilen wenig ausgeprägt zu sein. Das betrifft insbesondere Jugendliche, die den Austausch in unabhängigen Netzwerken als Selbstverständlichkeit in ihren Lebensalltag integriert haben aber nicht ausreichend über diese Regelungen informiert sind.

Gerade deshalb ist es wichtig, im Unterricht an diese Erfahrungsbereiche anzuknüpfen und sich als Lehrerin oder Lehrer mit den Regeln im Web 2.0 auseinanderzusetzen. Dies würde sicherlich die Aufgabe erleichtern, junge Nutzerinnen und Nutzer für den verantwortungsvollen Umgang mit fremdem und eigenem geistigen Werken zu sensibilisieren. Im Schulalltag sieht es jedoch oftmals anders aus, da die Vorbehalte[2] gegen den Hype um digitale Medien überwiegen.

Eine Alternative zum erhobenen Zeigefinger bietet das Unterrichtsmaterial "Medien machen Meinung"[3]. Hier wird Facebook als vertrautes Medium für die gemeinsame Aktion genutzt. Über die Gestaltung, Organisation und Beobachtung eines eigenen Forums lernen die beteiligten Schülerinnen und Schüler das digitale Netzwerk für den aktiven und kritischen Informationsaustausch zu nutzen und dabei kompetent mit geistigem Eigentum umzugehen.
Um kreative und innovative Ansätze einer Netzgesellschaft zu fördern, ist es unumgänglich, sich mit den Gepflogenheiten und Regeln frühzeitig auseinanderzusetzen. Kinder und Jugendliche wachsen als medienaffine User auf. Dennoch benötigen sie das Know-how, um zu mündigen und verantwortungsvollen Nutzerinnen und Nutzern heranzuwachsen.

Quellen

[1] Nutzungsbedingungen Facebook
[www.facebook.com | 01.03.2012 | 12:32]
[2] Facebook-Gruppen für den Unterricht
In seinem Blog reflektiert der Lehrer Martin Kurz den Nutzen von Facebook und berichtet über seine Erfahrungen mit dem sozialen Netzwerk im Schulalltag.
[widerspiegel.wordpress.com | 01.03.2012 | 12:38]
[3] Unterrichtsidee: Medien machen Meinung
Im Rahmen dieser Unterrichtsidee gestalten die Schülerinnen und Schüler unter dem Fokus meinungsbildender Funktionen digitaler Medien eine Collage zu aktuellen Themen und stellen diese auf einer Fansite bei Facebook zur Diskussion.