Grenzen der Illegalität

Blogbeitrag von NAH, 05.11.2010

Die Meldungen über Verstöße gegen das Urheberrecht türmen sich täglich in den Medien.
Betroffen sind heutzutage nicht mehr nur diejenigen, die bewusst materielle Gegenstände oder immaterielle Ideen fälschen oder kopieren, sondern im Zeitalter digitaler Medien potenziell mehr oder weniger alle "User", denn wissen wir genug über das, was wir im Netz dürfen? Ist uns immer bewusst, wenn wir uns schon in der Illegalität bewegen?
Nehmen wir als Beispiel das erfolgreichste soziale Netzwerk Facebook und konzentrieren wir uns auf die Jugend. Über Facebook tauschen Jugendliche Informationen aus, zeigen ihren Freunden die neusten Fotos von Klassenfahrten, dem Schüleraustausch oder von Partys und sind der Meinung, dass das alles völlig okay ist. Schließlich haben sie die Fotos selbst gemacht, sind also Urheber der Fotos und haben die abgebildeten Personen um Erlaubnis zur Veröffentlichung gefragt. Bei Fotos, die sie aus dem Netz "ziehen" (z. B. aus sog. Stockarchiven) haben sie sich über die Lizenzbedingungen, unter denen sie diese Fotos nutzen dürfen, informiert. Ein Jugendlicher, der so bewusst wie hier beschrieben handelt, ist schon ein sehr vorsichtiger, Rechtsfragen gegenüber aufgeschlossener und informierter Vertreter seiner Spezies.

Das alles scheint aber dennoch nicht zu reichen, denn, wie die auf das Marketing von sozialen Medien spezialisierten Rechtsanwälte Thomas Schwenke und Sebastian Dramburg in einem Beitrag über facebookmarketing ausführen, bietet Facebook so einige "Stolpersteine"[1], über die selbst unser rechtsbewusster Jugendlicher stolpern würde. Hier zwei Beispiele:
Bei den Lizenzbedingungen zur Nutzung mancher Bilder aus Stockarchiven gibt es Bilder, an denen man zwar die Lizenz erwerben, die man aber nicht "unterlizensieren" darf, d. h., die erworbenen Nutzungsrechte dürfen nicht an Dritte weiter gegeben werden. Genau dies verlangt Facebook aber in seinen Nutzungsbedingungen[2] von seinen Usern in der zustimmungspflichtigen IP-Lizenz.
Außerdem befassen sich die beiden Anwälte auch mit den auf Facebook gesetzten Links und der möglichen automatischen Vorschaugrafik auf den Link, die das System anbietet. Auch so ein automatisches Vorschaubild (massenhaft auf Facebook-Seiten eingebunden) ist nur erlaubt, wenn der User eine Erlaubnis hat, dieses Bild zu nutzen.
Soziale Medien wie Facebook oder schülerVZ sind ein wesentlicher Bestandteil des Lebens junger Menschen; über den "Alltag" in sozialen Netzwerken sollte also neben dem Elternhaus auch in der Schule gesprochen werden. Für die nächste, wichtige Diskussion zu diesem Thema muss deshalb wohl ein medienaffiner Anwalt eingeladen werden. Denn, wie soll und kann Schule angesichts dieser undurchsichtigen Rechtslage, in der Anbieter Möglichkeiten zur Verfügung stellen oder in ihren Nutzungsbedingungen einfordern, die den User sehr schnell in die Illegalität führen, überhaupt noch Orientierung bieten, außer zu sagen: Tu‘ am besten nichts, dann kannst du auch nichts Falsches machen. Aber kann das eine medienpädagogische Aussage sein?

Quellen

[1] Stolperfallen beim Facebookmarketing
Allfacebook.de ist eine Plattform für den Bereich Facebook Marketing & Werbung. Der Blog wird seit 2009 von Philipp Roth und Jens Wiese betrieben.
[allfacebook.de | 05.03.2012 | 15:35]
[2] Nutzungsbedingungen Facebook
[www.facebook.com | 05.03.2012 | 15:46]
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