Digitale Piraten

Blogbeitrag von NAH, 02.05.2010

Zum Tag des geistigen Eigentums, der von der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) ausgerufen wurde, und immer am 26.04. begangen wird, wurden auch dieses Jahr zahlreiche Reden gehalten, Studien veröffentlicht und Gedanken formuliert.
Letztendlich geht es immer wieder um die Frage, wie geistiges Eigentum in einer digitalen Welt geschützt werden kann und welche "Strafen" erfolgversprechend sein könnten.
Laut einer aktuellen Studie[1] des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) halten 25 Prozent der Deutschen das Raubkopieren von Musik, Filmen oder Software für akzeptabel. Allerdings sagen 66 Prozent, illegales Kopieren sei kein Kavaliersdelikt und 63 Prozent sind für die strafrechtliche Verfolgung von Raubkopierern. Unrechtsbewusstsein ist also durchaus weit verbreitet, aber ein Viertel der Gesellschaft hat es nicht erreicht.

Wer sind diejenigen, die sich gerne und regelmäßig mit Raubkopien versorgen und die (vermutlich) zu den 25 Prozent der Akzeptierer gehören? Sind es die, die mithalten wollen, auf dem neusten Stand sein wollen, ständig die Ohrstöpsel in den Ohren haben aber kein Geld für den passenden Content? Kurzum sind es die viel gescholtenen Kids? Weit gefehlt! Laut der aktuellen "Brennerstudie"[2], die der Bundesverband Musikindustrie jetzt veröffentlicht hat, ist der "typische Filesharer" männlich und 20 bis 39 Jahre alt. In der Altersgruppe 20 bis 29 Jahre seien 25 Prozent der illegalen Raubkopierer zu finden, mit 17 Prozent folgt die Gruppe der 30 bis 39-Jährigen Männer. Unter den 10 bis 19-Jährigen hingegen nutze nicht mal jeder zehnte Jugendliche (9 Prozent) die illegalen Angebote.

Was denken Raubkopierer über ihre illegale Tätigkeit? Ist ihnen die Illegalität, in der sie sich bewegen, egal? Einen interessanten Ansatz zum Verstehen von "Musikkopisten"[3] bietet Sebastian Haupt, der sich in seiner Diplomarbeit mit den moralischen Bewertungsstandards der illegalen Musikkopierer auseinander gesetzt hat. Demnach nutzen diese sogenannten Neutralisationstechniken bzw. psychologische Rechtfertigungsstrategien, um sich gegen eigene Vorwürfe und Gewissensanfragen angesichts der bewussten Illegalität zu immunisieren. Auf diese Weise müssen sie das eigene verwerfliche Verhalten nicht mehr als unmoralisch empfinden.
Vielleicht liegt hier ein Ansatz zum "Verstehen" der Klientel von Raubkopierern, dessen Nutzung dem Schutz des geistigen Eigentums mehr bringen könnte als bloße Restriktionsmaßnahmen.

Quellen

[1] Mehrheit für Verfolgung von Raubkopierern
Studie der BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.) aus 2010.
[www.bitkom.org | 07.03.2012 | 13:36]
[2] BRENNERSTUDIE 2010
Fazit des Bundesverbands Musikindustrie vom 23.04.2010: "Zahl der illegalen Downloads geht zurück – Filesharing bei 20- bis 39-Jährigen besonders beliebt – ausgeprägtes Unrechtsbewusstsein".
[www.musikindustrie.de | 07.03.2012 | 13:38]
[3] Musikkopisten und ihre Rechtfertigungen
Sebastian Haupt, Musikkopisten und ihre Rechtfertigungen. Eine qualitative Studie des moralischen Disengagements. Saarbrücken : VDM Verlag Dr. Müller, 2007.
[www.amazon.de | 07.03.2012 | 13:40]
Unterrichtsidee: Harte Fakten - Urheberschaft und Verlustrechnung
Über die Veranschaulichung und Beurteilung von Daten zu Urheberrechtsverletzungen im Softwarebereich lernen die Schülerinnen und Schüler Verfahren der darstellenden Statistik kennen. Sie recherchieren und interpretieren Daten, bestimmen Kriterien und Verfahren für deren statistische Darstellung und präsentieren ihre Ergebnisse in Plakatform.
Hintergrund: Anti Piracy - Exzessive Lizenznutzung in Unternehmen
Nicht nur das Raubkopieren im großen Stil, sondern auch scheinbar salonfähige Formen des Softwaremissbrauchs richten großen Schaden an. 40 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland sind unsicher, ob ihre Software legal ist.