Plagiatsfall Verrenkung

Blogbeitrag von NAH, 23.06.2010

Es sieht vielleicht für Manchen nicht gesund aus, aber für immer mehr Menschen weltweit ist das Praktizieren von Yoga ein Weg zu größerem Wohlbefinden geworden.
Die jahrtausendealte Tradition aus Indien, bei der sowohl Körper als auch Geist geschult werden, hat seit Jahren Einzug in die westliche Welt gefunden und mittlerweile verbiegen sich neben Indern und ein paar westlichen Hippies auch viele Businessleute auf allen Kontinenten zu den traditionellen Körperhaltungen (Asanas) und schulen ihren Geist im Loslassen und meditativen "Nichtsdenken".
Es wäre also zu schön, um wahr zu sein: Westlich-rationale Menschen bereichern ihre Seele und ihren von schlechten Bürostühlen und effektivem Schnelldenken geplagten Körper mit östlichem Kulturgut, der Körper und Seele wieder in friedlichen Einklang bringt und dazu einen gesunden und geschmeidigen Körper formt. Schön und gut, wäre da nicht noch der nötige Businesscase, wie das so schön neudeutsch heißt. Kurzum: Die indische Regierung ist von der Art, wie so manche selbst ernannte Gurus sich die Yoga-Tradition per US-amerikanischer Patentanmeldung zu eigen machen, schlicht und ergreifend empört.

Den Stein ins Rollen gebracht hat ein in die USA ausgewanderter indischer Yogi bereits vor einigen Jahren, als er sich eine Abfolge von 26 Asanas, die in einem auf ca. 40 Grad erhitzen Raum ausgeführt werden, vom US-Copyrightamt als „Hot Yoga“ (bekannt auch als Bikram Yoga) hat patentieren lassen. Bikram Choudhury[1] vermarktet seinen Yogastil als Franchise-Programm mit tausenden von Studios weltweit und ist mit diesem Konzept sehr reich geworden. Aber Bikram ist nicht der einzige businessorientierte (materialistische?) Yogi: In den USA existieren mittlerweile tausende yogabezogene Markenrechte[2].

Der indischen Regierung reicht‘s auf jeden Fall schon lange. Um den Geschäftemachern und Raubkopierern Einhalt zu gebieten, wurde jetzt damit begonnen, Asanas, die bisher nur aus antiken Texten aufgeschrieben wurden, auf Video aufzunehmen, die dann in der Traditional Knowledge Digital Library (TKDL) in Delhi hinterlegt werden. Die Datenbank enthält auch altes medizinisches Wissen und ermöglicht internationalen Patentprüfern Zugriff. So soll die Praxis der Patentanmeldung auf angeblich neue Varianten des Yoga, die in Wahrheit bereits bei alten Meistern existierten, unterbunden werden. Zur Qualitätssicherung werden Hunderte Asanas von ausgewählten Yoga-Meistern unter Aufsicht ausgewählter Experten genau so dargestellt und aufgezeichnet, wie sie in den alten Schriften[3] beschrieben sind.
Nach indischer Lesart ist Yoga ein Kulturgut, das auf uraltem nicht patentierbarem Wissen beruht. Bleibt also die Frage: Kulturgut oder Kommerz? bzw.: Spiritualität oder Businesscase? US-amerikanische Anwälte dürften sich über Aufträge freuen. Am besten doch mit praktischem Übungsteil, oder?

Quellen

[1] Bikram Yoga
Webseite mit Informationen rund um die Bikram Yoga Methode.
[www.bikramyoga.com/ | 08.03.2012 | 12:54]
[2] Inder empört über amerikanische Yoga-Patente
Die Patentierung von Yoga-Praktiken durch US-Unternehmer der Fitnessbranche erregt den Unmut der Inder. Hasnain Kazim schildert die Situation bei Spiegel Online.
[www.spiegel.de | 08.03.2012 | 12:56]
[3] Yoga - Innere Unruhe
In der Süddeutschen berichtet Susanne Klaiber über die Maßnahmen der indischen Regierung gegen den Missbrauch am Markenrecht der Yoga-Tradition.
[www.sueddeutsche.de | 08.03.2012 | 12:59]