Lohnenswertes Klonen

Blogbeitrag von PG, 08.01.2009

Irgendwie klingen schon die Worte angestaubt in unserer digital getrimmten Medienwelt: Original und Urheber. Das universelle Netz liefert kollektives Weltwissen aus der Dose.
Da kommt auch der Strom raus, ohne ein gesteigertes Interesse am diensthabenden Elektriker auszulösen.
Autorenschaft ist global. Schreiben wir nicht alle irgendwie. Wissenschaft ist demokratisch kontrolliert. Wie hieß gleich das Forum, in dem sie den Dingsda aber richtig fertig gemacht haben, Gott wie hieß er, der Nobelpreisträger… Ein großes WWW-Kollektiv vermehrt das kulturelle Erbe, das wir der Generation 3.0 in gewaltigen digitalen Archiven hinterlegen. Wir sind das Original. Alle.

Unsere Wissensgesellschaft lebt nach wie vor - und mehr denn je - aus höchst einmaligen, individuellen Fähigkeiten. Unsere hochdigitalisierte Gesellschaft hat sich gerade deshalb auch die endlose Verfügbarkeit höchst individueller Problemlösungen in neuen Berufsständen gesichert. Der „Programmierer“ wurde so zum Symbol sowohl der Universalität unserer Kommunikation als auch des (meist etwas schrulligen) Individualismus genau derer, die uns Universalität durch ihre schöpferischen Einzelleistungen ermöglichen.

Nicht zufällig sind es immer diese etwas schrägen Typen, die bei 007 und Kollegen an der Seite der Weltenretter oder Weltenzerstörer den Eindruck vermitteln, dass von ihnen unser aller Schicksal abhängt. Bei aller genretypischen Übertreibung einschlägiger Filme, Bücher, Games wissen wir allerdings inzwischen: Unser Schicksal hängt in der Tat weithin von ihnen ab. Unser aller Matrix ist wahrscheinlich auf ihren Servern schon hinterlegt. Enter.

Bilder, Texte, Filme, Games sind in digitalen Netzen in zahllosen Kopien nahezu universell verfügbar und bieten sich als globales Bastelmaterial an. Das lässt offenbar auch vergessen, dass Kopien Originale und mithin Originalität und Individualität brauchen. Der Kulturoptimist freut sich: Wir leben unwiderruflich in der Welt der Kopien und Neuschöpfungen, ein weiterer Beleg für das Spielerische und Kreative des übermütigen homo ludens. Der Kulturpessimist fühlt sich eher ganz bestätigt: Die moderne (Medien-)Welt ist voll von Scharlatanerie und Selbstbetrug, Kopie und Fake sind die Markenzeichen einer Welt, die ihre kulturellen Werte verspielt.*

Ob man sich der einen oder der anderen Wertung anschließt, wird auch davon abhängen, wie solche Fragen individuell beantwortet werden:
Die Digitalisierung aller Kommunikation hat die Nutzung von Medieninhalten demokratisiert. Wird die individuelle Leistung der Urheberschaft zukünftig in einer Art globalem Teamwork aufgehoben?
Ob Grafik, Film, Text oder Game – Originale haben einen Preis. Wie sehen die Finanzierungsmodelle in neuen digitalen Vertriebsnetzen aus, von denen auch die Urheber leben können?
„Klonen kann sich lohnen…“ - Liegt unsere Zukunft dank technischer Systeme und Biogenetik nicht ohnehin beim Duplikat?
Die Sorge um das Original ist so alt, wie es die menschlichen Kulturen sind. Wird das Original dank digitaler Technologien nun zum global verfügbaren Bastelmaterial für den homo ludens digitalis?

Quellen

[1] Fälschungen: Zu Autorschaft und Beweis in Wissenschaften und Künsten
Anne-Kathrin Reulecke (Hrsg.): Fälschungen. Zu Autorschaft und Beweis in Wissenschaften und Künsten. Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2006.
[www.amazon.de | 09.03.2012 | 15:53]
[2] Unterrichtsidee: Seriöse Vereinbarung
Im Rahmen der Unterrichtsidee gewinnen, gewichten und präsentieren die Schülerinnen und Schüler Informationen zum sicheren Erwerb von Software auf verschiedenen Vertriebswegen und in unterschiedlichen Lizenzformen. Durch Interviews und Onlinerecherche erkunden sie Erfahrungswerte und Aspekte des Softwareerwerbs und definieren Kriterien für einen Katalog.