Die Kleinen hängt man...

Blogbeitrag von NAH, 06.07.2009

...und die Großen lässt man laufen.
Ein illegal verbreiteter Song kostet in Amerika 80.000 Dollar Strafe. Das hat zumindest ein Gericht in Minnesota jetzt festgelegt, das eine Frau zu 1,92 Millionen Dollar Schadensersatzzahlung für 24 illegal über eine Internettauschbörse verbreitete Songs verurteilte.
Eine Summe, die die Frau – eine Gemeindeangestellte - nie zahlen können wird.
Laut einem Bericht[1] der Beratungs- und Forschungsgesellschaft Rand Corporation, der für den Dachverband der amerikanischen Filmindustrie Motion Picture Association erstellt wurde, sind illegale Downloader für rund ein Drittel aller durch illegales Kopieren und Weiterverbreiten entstandenen Verluste in Amerika verantwortlich. Wer aber ist für den größeren Teil, die zwei Drittel an Verlusten verantwortlich?

In ihrem Artikel "Gangster in Hollywood" berichtet die Süddeutsche Zeitung[2] Folgendes: Die Netzwerke des organisierten Verbrechens finanzieren sich zunehmend durch den Verkauf illegaler Raubkopien von DVDs und CDs. In New Yorks Chinatown kann man Filme bereits von der Uraufführung der Originalversion kaufen. Um an die Kopiervorlagen zu kommen, werden Angestellte von Platten- oder Filmstudios bestochen. Kopiert werden die Originale dann in China, der Verkauf spielt sich dann wieder in Amerika ab. Eine vor kurzem aufgeflogene chinesische Gang aus New York, die für Verbrechen wie illegale Spielhöllen, Drogenhandel, Geldwäsche und das brutale Eintreiben von Schulden verantwortlich gemacht wird, erwirtschaftete einen Großteil ihrer Gewinne mit dem Verkauf von Raubkopien. Laut dem Bericht der Rand Corporation gehört zu den Einnahmequellen solcher chinesischer Gangs auch Menschenhandel. Die illegalen Einwanderer werden dann gezwungen, die Raubkopien zu verkaufen.

Die Profitmarge bei Raubkopien liegt bei 1000 Prozent, berichtet die SZ. Dies sei erträglicher als der Drogenhandel. Neben dem organisierten Verbrechen finanziere sich auch der Terrorismus immer mehr aus Raubkopien: Die IRA soll während der 90er Jahre 80 Prozent des Geschäfts mit raubkopierten Videos und DVDs kontrolliert haben. In manchen Ländern soll Geld für Hisbollah und al-Qaida durch den Verkauf von Raubkopien gesammelt werden. Dabei gelte Raubkopieren in Ländern wie Brasilien, Russland, China und Pakistan, die die meisten Raubkopien herstellen, oft nur als Kavaliersdelikt, Gefängnisstrafen seien eher selten.
Privates illegales Downloaden und organisiertes Raubkopieren stehen moralisch sicherlich auf der gleichen Stufe. Ob sie in ihren politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen gleichzusetzen sind, ist eine Frage, die es zu diskutieren gilt. In diese Richtung geht die öffentliche Urheberrechtsdebatte leider (noch) nicht.

Quellen

[1] Film Piracy, Organized Crime, and Terrorism
[www.rand.org | 12.03.2012 | 15:19]
[2] Debatte um illegale Downloads
[www.sueddeutsche.de | 12.03.2012 | 15:21]