Das Urheberrecht geht um

Blogbeitrag von AM, 11.06.2009

Die kulturelle Revolution löst eine ungeahnte Lawine aus.
Vergleichbar mit der Erfindung des Buchdrucks und der Zeit, als die Bilder laufen lernten, scheint das digitale Zeitalter etabliertes Verständnis von Recht und Unrecht auf die Probe zu stellen. Nichts bleibt wie es war!
Was die schreibende Zunft betrifft, scheint das Monument des Urhebers, seine Rechte und herkömmliche Geschäftsmodelle ins Schwanken geraten zu sein. Mehr noch – der seriöse Zeitungsjournalismus fühlt sich durch Blogger, 2.0-Bürgerjournalisten[1] und Hobbypublizisten bedroht. Aber nicht nur die Vertreter des seriösen Journalismus kämpfen um ihre Würde. Auch die Wortgefechte[2] zwischen Verlegern und Netzgeneration nehmen spür- und hörbar zu. Schriftsteller, Journalisten und Verleger verschanzen sich hinter dem Heidelberger Appell[3] und kämpfen für "Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte" zur Rettung der eigenen Existenz. Aber es kommt noch schlimmer: "Google will das Urheberrecht abschaffen"[4].

Worum geht es eigentlich? Hat das alles wirklich noch was mit dem Urheberrecht zu tun? Oder häufen sich nicht mittlerweile eine Menge Missverständnisse und Unverständnis zu einem unlösbaren Wust an wilden Informationen? On- und Offlinemedien berichten nahezu täglich von spektakulären Urheberrechtsverstößen, bei denen selbst die Justiz vor neue Herausforderungen gestellt wird.

Plagiate, Fälschungen, Raubkopien sind die Schlagworte. Matthias Spielkamp[5] fragt sich, ob ein RSS-Feed-Snippet ein Text und Nachrichten urheberrechtlich geschützt seien und die Schöpfungshöhe im Sinne des UrhG erfüllen? Stefan Heidenreich[6] kritisiert die Machenschaften der Verlage, die das Urheberrecht dazu nutzen, die Zirkulation von Texten künstlich zu beschränken. Der geplante E-Book-Shop unter Google ist ein Albtraum für Verleger[7] und Buchhandel. In der Frankfurter Rundschau liefern sich die Sympathisanten um Ronald Reuß[8] eine Wortschlacht um die geistige Enteignung durch GoogleBooks und Youtube.
Eins ist klar: Die Öffentlichkeit ist verunsichert. Aufklärung und Innovation tun Not. Denn wenn das "Happy Birthday Singen"[9] zu Opas 60. in der Kneipe nun auch noch Geld kosten soll, sind wir vielleicht wirklich an die Grenzen des geltenden Urheberrechts gelangt?

Quellen

[1] Zukunft des Journalismus
"Was würde uns fehlen ohne Journalismus?" fragt der Online- und Printjournalist Stefan Niggemeier in der FAZ.
[www.faz.net | 12.03.2012 | 16:39]
[2] Zukunft des Buchs auf dem Taz-Kongress
Meike Laaf berichtet in der TAZ über scharfe Diskussionen zwischen Netzgeneration und Verlegern.
[www.taz.de | 12.03.2012 | 16:40]
[3] Für Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte
Das sogenannte Heidelberger Appell und seine Unterzeichner auf textkritik.de.
[www.textkritik.de | 12.03.2012 | 16:41]
[4] Die Naivität der Romanautoren
Führt das Desinteresse einiger Schriftsteller an der digitalen Welt ins urheberrechtliche Aus? Wolfgang Tischer spricht von unberechtigten Forderungen im Krieg zwischen Autoren, Google und Co.
[www.literaturcafe.de | 12.03.2012 | 16:43]
[5] AFP-Abmahnungen: Eine Gefahr für Blogs?
Blogbeitrag zu den systematischen Abmahnungen von Webseitenbetreibern durch die Nachrichtenagentur AFP. Sind nun auch Blogger gefährdet?
[carta.info | 12.03.2012 | 16:45]
[6] Für eine unendliche Bibliothek
Plädoyer des Autors Stefan Heidenreich für eine digitale Büchersammlung.
[www.stefanheidenreich.de | 12.03.2012 | 16:51]
[7] Google will Buchhändler spielen
Wird Google zur Konkurrenz für den Buchhandel? Der Spiegel hakt nach.
[www.spiegel.de | 12.03.2012 | 16:52]
[8] Enteignet die schamlosen Enteigner!
Der Literaturwissenschaftler Roland Reuß hält die Google-Pläne einer digitalen und frei zugänglichen Bibliothek für schamlos und äußert sich dazu in der Frankfurter Rundschau.
[www.fr-online.de | 12.03.2012 | 16:59]
[9] Singen kann teuer werden!
In den USA bedeutet das öffentliche Singen des Liedes "Happy Birthday to you" eine Verletzung des Copyrights.
[www.heise.de | 12.03.2012 | 17:05]