Geklaute Genialität

Blogbeitrag von NAH, 23.02.2009

Sein Stern scheint hell und glänzend am Himmel der Internet-Community.
Mark Zuckerberg ist jung, erfolgreich und reich und seit dem Erfolg seines Online-Netzwerkes Facebook ein Star der Netzgemeinschaft und gern gesehener Gast auf den Konferenzen der Branche.
Jüngst bereiste er die deutsche Internet-Konferenz Digital Life Design (DLD), wo er – laut einem Bericht von heise[1] - von den Besuchern mit 21 Prozent der Stimmen zum wichtigsten Internet-Unternehmer der Branche gewählt wurde. Dort verkündete der erfolgreiche Jungstar „in wenigen Jahren das größte soziale Netzwerk in Deutschland“* zu unterhalten. Derzeit soll die Community Facebook über 150 Millionen Nutzer, davon 2 Millionen Deutsche, vernetzen.

Bei so viel Erfolg muss man natürlich drauf achten, dass man nicht kopiert wird und so hat Zuckerbergs Firma das Online-Netzwerk StudiVZ wegen „Diebstahl geistigen Eigentums“ verklagt, berichtet die SZ weiter. In diesem Zusammenhang seien zwei Verfahren, eins in Deutschland und eins in Amerika, anhängig.

Laut Klageschriften haben die Betreiber von StudiVZ – ein Tochterunternehmen der Holzbrinck-Gruppe – sich ganz umfassend und ungeniert bei Facebook bedient. Letztendlich würden sich die beiden Communities nur noch durch ihr Farbschema unterscheiden, berichtet der Spiegel[2]. Aufmachung und Funktionsweise seien quasi identisch.

Aber die Geschichte geht noch weiter und ist offensichtlich ein Paradebeispiel gemeinsamer Urheberschaft[3]. Facebook hat selbst im Jahr 2008 65 Millionen Dollar in bar und Aktien als Abfindung an die Gründer des amerikanischen Online-Netzwerks Connect U bezahlt, berichtet die SZ. Zuckerbergs ehemalige Harvard-Kommilitonen und ConnectU-Gründer werfen Zuckerberg in einem seit 2004 anhängigen Rechtsstreit vor, die Möglichkeit des Anlegens von Profilseiten geklaut zu haben.

Wer kopiert also wen und wann fing alles an? Haben wir es bereits mit einer Art kollektivem Code zu tun, der heute allen zur Verfügung steht, ähnlich dem der Borg[4] in der Science Fiktion Serie Star Treck, die durch ein kollektives Bewusstsein miteinander verbunden sind, und deren Ziel die Assimilation anderer wertvoller Wesen und Technologien in ihr Kollektiv ist. Als Borg assimilierte Wesen erinnern sich nicht mehr an ihre Vergangenheit, ihr individuelles Wissen ist zum Kollektivwissen geworden.
Sind die neuen Verwertungsmodelle geistigen Eigentums der Vergleich in Anteilen und Aktienpaketen, die wieder alle miteinander vernetzen und die interessanterweise erst dann fällig werden, wenn „begründeter Verdacht“ besteht? Die Borg spüren keinen Schmerz, weil sie keine Individuen mehr sind. Trotzdem sind sie gescheitert. Genialität und geistiges Eigentums zu schützen ist sicherlich oft eine mühsame und schmerzhafte Angelegenheit. Diesen Schmerz sollten wir aushalten.

Quellen

[1] Digital Life Design: Netnographen krönen Zuckerberg
[www.heise.de | 13.03.2012 | 16:08]
[2] Plagiatsvorwurf: Facebook verklagt StudiVZ
[www.spiegel.de | 13.03.2012 | 16:17]
[3] Gründerzeit in Gemeinschaft
[4] Borg
[memory-alpha.org | 13.03.2012 | 16:18]
Wer hat's erfunden?
Süddeutsche Zeitung vom 12.02.2009.
[archiv.sueddeutsche.de | 13.03.2012 | 16:20]
Unterrichtsidee: Der Preis der Vision - Urheberschaft und Wertschöpfung
Indem sie den Aufwand für die Produktion eines Computerspiels aufzeigen, lernen die Schülerinnen und Schüler die Wertschöpfungskette eines Softwareunternehmens kennen. Die über eine Internetrecherche zusammengetragenen Aspekte des Themas Wertschöpfung werden in einer PowerPoint Präsentation dokumentiert und diskutiert.