Der unwaschbare U-Bahnplan

Blogbeitrag von NAH, 09.11.2008

Vielleicht hatte der junge Student Jonas ja den Streckenplan der Verkehrsbetriebe wieder in der Hosentasche mitgewaschen und stand jetzt da:
nachts, im kalten Regen, in den Händen die letzten Papierfetzen voller bunter Linien, die ihm den schnellsten Weg zur nächsten Clubparty zeigen sollten und jetzt so kläglich versagten. Was soll das eigentlich im Zeitalter der Digitalisierung, mag Jonas gedacht haben, morgen schreib’ ich ein Programm für mein Mobilfunkgerät. Gesagt, getan. Idee geboren, Werk vollendet.
Per Satellitennavigation (GPS) kann man mit Jonas Programm seinen Standort bestimmen, die nahe gelegenen Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel auswählen, das Ziel angegeben – und klick, da sind sie: die nächsten acht Verbindungen, dargestellt in einer grafischen Übersicht. Noch mal klick - Umsteigezeiten und Fußwege und ein Streckennetzplan, ungewaschen und unverbraucht – super mag Jonas gedacht haben.

An seinem Werk hat Jonas andere teilhaben lassen und stellte sein Programm kostenlos zum Download zur Verfügung, wo es von Nutzern geeigneter Mobilfunkgeräte dankbar angenommen wurde. Aber auch die zuständigen Verkehrsbetriebe bekamen Wind von der Sache und pochten auf ihre Urheberrechte am Streckennetzplan[1]. Eine Genehmigung für die Weiternutzung des Plans erteilten sie Jonas nicht. Er musste sein Programm ändern, den unwaschbaren Streckennetzplan wieder gegen die waschbare Variante in seiner Hosentasche austauschen. Das Verkehrsunternehmen teilte außerdem mit, dass es an einer Eigenentwicklung arbeite, die für alle Mobilfunkgeräte tauglich sei.
Könnte man da denken, die dürfen doch nicht Jonas Idee klauen? Kann oder sollte Jonas seine Idee und sein Werk schützen? Und andererseits: Müssen Unternehmen, in diesem Fall das Verkehrsunternehmen, nicht peinlich genau darauf achten, dass ihre urheberrechtlich geschützten Werke, in die sie Arbeit und Geld investiert haben, auch in ihrer Verwertungskette bleiben?

Quellen

BVG verbietet iPhone-Programm
Die Geschichte von Jonas Witt und seiner Entwicklung "Fahr-Info Berlin" in der taz.
[www.taz.de | 14.03.2012 | 16:37]
Unterrichtsidee: Der Preis der Vision - Urheberschaft und Wertschöpfung
Indem sie den Aufwand für die Produktion eines Computerspiels aufzeigen, lernen die Schülerinnen und Schüler die Wertschöpfungskette eines Softwareunternehmens kennen. Die über eine Internetrecherche zusammengetragenen Aspekte des Themas Wertschöpfung werden in einer PowerPoint Präsentation dokumentiert und diskutiert.