Urheberrecht vorm Schultor

Blogbeitrag von AM, 26.10.2008

Der „Bremer Kopierstreit“ landete vor mehr als 30 Jahren als Schlagzeile in der Zeit. Der Bremer Schulsenat verlor einen Prozess vor dem Oberlandgericht Bremen.
Corpus Delicti waren Fotokopien, die wohl in zu hoher Anzahl im Unterricht benutzt wurden. Die Zeit schreibt dazu am 06.08.1976 "Die Schulbehörden, die Lehrer und die Schüler haben jetzt auszubaden, dass die Gesetzgebung mit der Entwicklung der Technik nicht Schritt gehalten hat." Irgendwie kommt das einem bekannt vor…
Am 16.10.2008 meldet Heise Online[1], dass die "Intranet-Klausel" für Bildungseinrichtungen um weitere vier Jahre verlängert wird. Betraten bisher Lehrerinnen und Lehrer das Klassenzimmer und legten eine Overheadfolie mit dem Text eines alten Beatles Songs für den Englischunterricht auf oder verteilten Ausschnitte von Goethes Faust in Kopie auf Papier, so war dies legal. Fraglich war allerdings, ob dies zukünftig auch weiterhin für eine PowerPoint Präsentation oder ein Werk aus dem Intranet der Schule zutrifft. Denn im Alltag gilt: Urheberrechtlich geschützte Werke dürfen, ob privat oder gewerblich, nicht ohne entsprechende Genehmigungen veröffentlicht bzw. in Umlauf gebracht werden.

Prinzipiell bewegen sich alle Bildungseinrichtungen in einem rechtlichen Sonderraum. Trotz vielfacher Widerstände wurde der § 52a UhrG um weitere vier Jahre verlängert und gewährleistet somit allen Bildungseinrichtungen und Forschenden urheberrechtlich geschützte Werken in "kleinen Mengen" (10-20% des Gesamtvolumens) zur Veranschaulichung des Unterrichts zu vervielfältigen und nun auch digital einer definierten Personengruppe zur Verfügung zu stellen.

Dennoch muss sich die Schule heute mehr denn je mit dem Thema Urheberrecht auseinandersetzen, denn das Gesetz unterscheidet detailliert zwischen Kopien auf dem Papier und digitalen Kopien im Intranet. Schwierig wird es beispielsweise, wenn Schüler via Lernplattform von zu Hause Zugriff auf das Intranet der Schule haben. Und gänzlich ausgenommen sind die Schul-Homepage, die Schülerzeitung und der Blog im Unterricht – denn diese sind öffentlich und nicht durch die Sonderregelungen der Schule erfasst. Die neue Lernsoftware für den Mathematikunterricht ist ebenso ausgenommen. Digitale Medien – insbesondere Bildungs- und Lernsoftware – dürfen nicht kopiert oder ins Intranet gestellt werden.
Schule, Lehrende und Lernende tragen gleichermaßen Verantwortung für das, was sie im Rahmen ihrer schulischen Aktivitäten "veröffentlichen". Der Streit darum, ob Bildungseinrichtungen auch im digitalen Zeitalter eine Sonderreglung bedürfen, ist erneut verschoben auf das Jahr 2012. Aber was dann?

Quellen

[1] Intranet-Klausel für Lehrer im Urheberrecht soll vier Jahre verlängert werden
Meldung zur Entscheidung der Bundesregierung über die Intranet-Klausel für Lehrer im Urheberrecht bei heise online.
[www.heise.de | 14.03.2012 | 17:40]
Urheberrecht in Schule und Ausbildung
Dossier Urheberrecht auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).
[www.bpb.de | 14.03.2012 | 17:44]
Unterrichtsidee: Erfolgreich Publizieren - Urheberschaft in digitalen Medien
Über das Schreiben einer Rezension werden die Schülerinnen und Schüler selbst Urheber und erleben Urheberschaft in einem individuell gestalteten Prozess. Sie lernen dabei den verantwortungsvollen Umgang mit fremdem Material und erkennen den Wert geistigen Eigentums.