Mein eigenes Plattenlabel?

Blogbeitrag von AM, 16.10.2008

"Ich bin ein Original, weil ich der Einzige bin, der so denkt wie ich, der so reagiert wie ich - ich bin ich. Deshalb bin ich ein Original!" sagt Marius auf dem Portal www.sicherheit-macht-schule.de[1].
Marius hat als Darsteller an den Videos zur Kampagne mitgewirkt – er ist sicher ein Original. Mehr noch, er hat mit Freunden zusammen eine neue CD aufgenommen, die unters Volk soll. Da ist guter Rat teuer!
Technische Innovationen treiben nicht nur die Globalisierung voran, sondern sie bieten neue Chancen aber, wie wäre es sonst, auch neue Gefahren. Normalerweise schließt eine Band einen Plattenvertrag mit einem Label ab, spielt eine neue Scheibe ein und das Label kümmert sich um alles weitere, inklusive dem Gewinn, der durch die Schutzrechte der GEMA eingespielt werden. Das hat den ungemeinen Vorteil, dass man sich um die Vermarktung seiner Kunst nicht selbst kümmern muss.

Web 2.0 und moderne, digitale Technik ermöglicht jetzt eher unbekannten Künstlern unabhängig von Verlegern eigene Songs aufzunehmen, sie zu bearbeiten und mit relativ geringem finanziellem Aufwand im Internet zu veröffentlichen und zu vermarkten.

Selbstvermarktung hat im Zeitalter von Web 2.0 eine große Zukunft. Ähnlich wie bei Luther und den Thesen an der Kirchentür kann die Netzgemeinde schnell für eine riesige Verbreitung unterschiedlichster Werke sorgen. Ungeahnte Reichweiten dank "Social Networks", kaum Kosten und sofortiger "Weltruhm", zumindest in der eigenen Clique. Selbstvermarktung via "Netlabel" ist sicher eine echte Alternative.

Aber wie können einfach die, wenn auch geringen, Kosten gedeckt werden? Wer bezahlt im Netz für unbekannte Songs? Wer kümmert sich um die Rechte des Autors, wenn Teile der Songs schamlos kopiert und in eigenen Songs genutzt werden? Welche technische Plattform ist seriös? Wo werden die Urheber am Gewinn aus dem Betrieb der technischen Plattform beteiligt?
Ist die gute alte Zeit der kleinen und großen Plattenlabel wirklich vorbei? Für Marius und sein Team zumindest nicht. Sie haben schnell ein nettes Cover gestaltet, ihre erste eigene CD fertig gestellt und auf dem Schulhof verkauft. Und wer weiß, vielleicht ist ein so guter Song dabei, dass ein Plattenlabel zugreift – vor der Kamera ist er dann schon mal ein echter Profi.

Quellen

[1] Interview mit Marius. Von der eigenen Kreativität für ein Original.
Marius hat mit der Aufnahme seiner eigenen CD erfahren, wieviel Arbeit hinter der Herstellung eines hochwertigen selbstproduzierten Originals steckt.