Der Fälschungswahn

Blogbeitrag von KHS, 28.04.2009

Ein bekannter französischer Philosoph und Literaturwissenschaftler befasste sich in seinen Werken mehrfach mit der niedergeschriebenen Geschichte und kritisierte diese als Absurdität.
Er schreibt: “Die Geschichte ist das gefährliche Elaborat, das die Chemie des Intellekts produziert hat… [sie treibt die Menschen] zu Größenwahn oder auch zu Verfolgungswahn und macht, dass die Nationen verbittert, auftrumpfend, unausstehlich und eitel werden. Die Geschichte rechtfertigt, was immer man will. Sie lehrt schlechterdings nichts, denn es gibt nichts, was sich mit ihr nicht belegen ließe.“[1]
Valéry liefert damit einen Einstieg in die vielverbreiteten Aktivitäten, sich geistig in Schriften, Aktivitäten oder Medien zu äußern oder diese widerrechtlich zu nutzen, oft ohne Rücksicht auf die Wahrheit, das Original oder die Realität.[2]

Was schert sich so mancher Internetanbieter, Autor oder Verfasser um die Wahrheit, das Original, den Schutz des geistigen Eigentums, wenn er in der virtuellen Welt geschützte Veröffentlichungen und Produkte selbstnutzend feil bieten kann und damit gegen das Urheberrecht und verwandte Schutzrechte verstößt? Es scheint zu einer Art „intellektuellem Sport“ zu werden, juristische Grenzen auszutesten. Gesetzgeber, Rechtsinstitutionen, ja, Staaten, sehen sich vielfach außer Stande, der "geistigen Piraterie" Einhalt zu gebieten bzw. sie zu verhindern.

Aktuell zeigt dies mal wieder der "Kampf" gegen die Piraterie auf dem internationalen Musik- und Filmemarkt. Der Prozessauftakt gegen die Betreiber des Torrent-Trackers "The Pirate Bay", die Wege zum kostenlosen Herunterladen von urheberrechtlich geschützten Musik- und Filmprodukten für 22 Millionen Nutzer herausfanden und damit nicht nur das Urheberrecht missachteten, sondern auch reichlich Profit mit diesem unerlaubten Geschäft im Internet "erwirtschafteten", soll ein Exempel statuieren.

Die Zeiten, in der Kopieren in einem rechtfreien Raum stattfand, sind vorbei. Erinnert sei an mittelalterliche Konstellationen: "Das Kopieren begann einst in den Skriptorien der Klöster, kopiert wurde mit Vogelfeder und Rußtusche, Buchstabe für Buchstabe. Es war ein mühseliges Geschäft, aber es galt nicht als Geschäft, sondern als Kontemplation, als eine andere Form des Gebets. Heute ist Kopieren zum Kinderspiel geworden."[3]
Die "Professionalität" bei der Verletzung des Urheberrechts ist ein juristischer Tatbestand, denn eine Fälschung beziehungsweise ein Falsifikat liegt vor, wenn einer fremden Leistung die eigene Urheberschaft unterstellt wird.

Quellen

[1] Paul Valéry: Werke
Paul Valery, Jürgen Schmidt-Radefeldt: Werke, Frankfurter Ausgabe, Ln, 7 Bde. Insel, Frankfurt, 2. Auflage, Aufl. (11. März 1996).
[2] Forschungen zu Paul Valéry
Karl A. Blüher, Jürgen Schmidt-Radefeldt (Hrsg.): Forschungen zu Paul Valéry. In: „Thematische Hefte“, Universität Kiel, Bd. 1 1988) ff.
[3] Internet: Ende der Kultur?
Der Artikel von Heribert Prantl thematisiert die Leichtigkeit, urheberrechtlich geschütztes Material aus dem Internet zu kopieren.
[www.sueddeutsche.de | 21.02.2012 | 11:23]
Unterrichtsidee: Weltbekannte Unikate - Leistung und Risiko einer Urheberschaft
Die Unterrichtsidee sensibilisiert die Schülerinnen und Schüler für Leistung und Risiko einer Urheberschaft, indem sie historische Darstellungen zum Publikationsweg erkunden und eigene Quizfragen mit entsprechenden Antwortmöglichkeiten zu Originalen und deren Urheberschaft erarbeiten. Für das Quiz finden sie geeignete Publikationswege.