Das Turiner Grabtuch

Blogbeitrag von KHS

Historische Ereignisse und Sachverhalte lassen sich in der Regel so recherchieren, dass man nach kurzer Zeit oder auch lang andauernden Untersuchungen den Nachweis über Original und Kopie mit 98%iger Wahrscheinlichkeit erbringen kann.
Bestimmte, definierte „Wahrheiten“ haben eine aus machterhaltenden Gründen oder aus noch nicht gegebenen Untersuchungsmethoden eine sehr lange „Überlebenschance“ und geistern viele Jahrhunderte auch nach ihrer Klärung immer noch durch die Literatur und sei es auch nur als Quellennachweis, um wissenschaftliche Aussagen zu stützen.
Belege dafür gibt es reichlich in der Geschichte: Antike Geldfälschungen, Gemäldefälschungen im Mittelalter, Tilgung physikalischer Erkenntnisse bis hin zu modernen Fälschungen und deren Publikation im Bereich der Gentechnik.

Dass viele der Fälschungen und deren Fälscher aufgedeckt und erwischt werden konnten, war in der Regel nur mit einem entsprechenden Instrumentarium möglich. Dem menschlichen Geist blieben mit den wissenschaftlichen Ergebnissen Fehlorientierungen in der Entwicklung erspart. Andererseits kennen wir aber aus der Geschichte Phänomene, die seit hunderten von Jahren im Mittelpunkt von Untersuchungen standen und stehen und bis heute nicht widerspruchsfrei zwischen dem Original - wenn es überhaupt eines gibt - und der Fälschung zu unterscheiden ist. Ein solcher Fall ist die Geschichte des Turiner Grabtuchs.

„Die ersten gesicherten und unumstrittenen schriftlichen Quellen, welche die Existenz des Tuches erwähnen, reichen bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts zurück. ... Die Schwierigkeit ist dabei, dass zu früheren Zeiten sehr viele gefälschte Reliquien in Umlauf waren und es schwer ist, Berichte über mögliche echte Reliquien von Berichten über Fälschungen zu unterscheiden."[1]

Mittelalterliche Zweifel an der Authentizität des Grabtuches wurden auf die damalige Art und Weise, per Brief, geäußert. Sindologische Untersuchungen(Grabtuchforschung), die über Jahrhunderte stattfanden, versuchten immer wieder die Echtheit nachzuweisen, dass es sich bei dem Turiner Grabtuch offensichtlich um das Leinen handelt, in das der Leib Christi nach der Kreuzigung bis zur Auferstehung eingehüllt war.
Spekulationen über die Originalität füllen ganze Regalteile in Bibliotheken seit Jahrhunderten und ein Ende ist noch nicht in Sicht, auch wenn mit modernstem Untersuchungsinstrumentarium, der Radiokohlenstoffdatierung, gearbeitet wird. Bei der Klärung mancher Phänomene braucht die Menschheit nicht nur mehr Zeit, sondern auch ausreichend wissenschaftliche Kreativität. Zwischen Original und Fälschung zu unterscheiden, ist eben in bestimmten Fällen keine einfache Sache. [23.01.2009]

Quellen

[1] Turiner Grabtuch
Deutscher Wikipedia-Beitrag zum Turiner Grabtuch.
[de.wikipedia.org | 21.02.21012 | 13:36]
Textilforschung mit Webfehlern
Artikel der Zeit Online aus dem Jahr 1992 über die Diskussion um die Echtheit des Turiner Grabtuches.
[www.zeit.de | 21.02.2012 | 13:42]