Mythos vom Goldenen Vlies

Blogbeitrag von KHS, 06.12.2008

Das Goldene Vlies war nach der griechischen Mythologie das Fell des goldenen Widders Chrysomeles, der fliegen und sprechen konnte. Im antiken, goldreichen Kolchis, dem jetzigen Georgien am Kaukasus, verwendeten die Goldsucher Schaffelle, um den Goldstaub aus den Flüssen zu waschen.
So, vermutet man und das belegen spätere fossile Funde, mag die Widmung "Goldenes Vlies" entstanden sein. Der in der Region reichlich in den von den Bergen tobenden Flüssen sich sammelnde Goldstaub blieb durch das Hineinhalten von Schaffellen im fetthaltigen Unterhaar hängen und konnte später durch Trocknung aus den Fellen geschüttelt werden. Wahrlich ein "Goldenes (Fell) Vlies".[1]
Sicher, heute schüttelt man nicht mehr die Felle der Antike, um zu Geld zu kommen. Die aktuellen Verfahren sind ganz anderer Natur und das nicht nur bei der industriellen Goldgräberei. Was liegt näher als der Vergleich mit dem „Goldenen Vlies“ angesichts einer Schlagzeile mit folgendem Inhalt "1.300 Patente auf ein Medikament".[2] Es konnte sich eigentlich nur um einen dubiosen Textfehler handeln – aber nein, bei genauerem Lesen des Textes stellte sich das als Irrtum heraus, denn im Text vermerkte man: „…EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes kritisierte zwar, dass es 'nach Missbrauch riechen' würde, 'wenn eine Firma 1.300 Patente für ein einziges Medikament beantragt', will aber trotzdem nichts von einer Änderung des Patentrechts wissen, die solch einen Missbrauch verhindern könnte.“
Die skurrilen Auffassungen der genannten Unternehmen schützen zwar "Geistiges Eigentum" urheberrechtlich, verwehren aber anderen Unternehmen das Recht auf Patentanmeldung und -schutz. Das Recht als historisch determinierte Kategorie kann kein "ewiges" Recht sein, sondern muss der gesellschaftlichen Entwicklung adäquat dienen. Die Änderung des europäischen Patentrechtes zum Schutze aller Urheberrechtberechtigten tut Not, weil sonst das Patentrecht zum „Recht“ weniger Monopole mutiert. Bei dieser neuen Variante des Schutzes des "Geistigen Eigentum" sollten die bekannten Unternehmen doch wenigstens das gültige europäische Reglement respektieren und das Urheberrecht nicht für ihre Zwecke manipulieren.

Quellen

[1] Goldenes Vlies
Deutscher Wikipedia-Artikel zum Mythos "Goldenes Vlies".
[de.wikipedia.org/ | 27.02.2012 | 13:35]
[2] 1300 Patente auf ein Medikament
In seinem Artikel "1.300 Patente auf ein Medikament" vom 29.11.2008 berichtet Peter Muehlbauer über Wettbewerbsblockaden im Arzneimittelmarkt.
[www.heise.de/ | 27.02.2012 | 13:40]