1623 in Rom

Blogbeitrag von KHS, 23.10.2008

Mit seinen neusten Schriften im Gepäck schickt sich an einem sonnigen Tag 1623 einer der Begründer der modernen Naturwissenschaften an, nach Rom zu reisen.
Er folgt einer Einladung seines alten Freundes und Förderers, Kardinal Maffeo Barberini, mittlerweile zum Papst gewählt (Urban VIII.). Absicht der Reise ist, mit ihm über seine neusten astronomischen Entdeckungen und Schriften zu diskutieren. Ein Besuch mit Folgen, wie der 59 jährige Galileo Galilei feststellen muss.
Die Gespräche mit Urban VIII. sind intensiv und interessant, so dass der Papst ihn ermuntert, seine Auffassungen über das Kopernikanische System zu publizieren. Galilei nimmt das Anliegen ernst und propagiert seinen „Dialog über die zwei wichtigsten Weltsysteme, das Ptolemäische und das Kopernikanische“.

Der wissenschaftliche Dialog erregt die Kongregation der katholischen Kurie kaum, weil die kopernikanische Weltsicht als Hypothese gilt und damit keine geistige „Kollision“ mit den herrschenden Ideen des Katholizismus, dem favorisierten geozentrischen Weltbild des Ptolemäus, zu erwarten ist. Wissenschaftliche Streitkultur ist in elitären Kreisen jener Zeit nicht untersagt, aber im Hintergrund vermutete man „Böses“ und die Inquisition bereitete „prophylaktisch“ ein Publikationsverbot und ein Verfahren wegen möglicher Ketzerei vor.

Im Juli 1632 weist Riccardi den Inquisitor von Florenz an, er solle die Verbreitung des „Dialogo“ verhindern. Galilei wird zum Papst bestellt. Man misstraut Galilei und seine Bitte um „Gnade“ wird abgeschmettert, so dass er sich aus Furcht vor Kerker, Ketten und Feuer entschließt, die Dialogform seines Werkes geschickt als Verteidigung zu nutzen, um den Nachweis zu erbringen, dass er nie das Kopernikanische System gelehrt, sondern nur mit dem Ptolemäischen verglichen habe. Kurz: Galilei widerruft die Wahrheit und entgeht damit einer härteren Strafe.
Der Prozess gegen Galilei löst einen Disput zur Rolle der Wissenschaft und dem gesellschaftlichen Fortschritt aus. Manch einer spricht von der „Erbsünde“ des Wissenschaftlers. Heutzutage ist klar: Dem Wissenschaftler muss das Recht auf freie Publikation eingeräumt werden. Sein geistiges Eigentum ist schützenswert und sollte der Menschheit dienen. Er trägt aber auch eine hohe Verantwortung für sein Werk. Wer diesen Sinn negiert, kann möglicherweise an folgenden „Verbrechen“ eine Mitschuld tragen.

Angemerkt: 1979 wird Galilei endlich von Papst Johannes Paul II. rehabilitiert. Später Ruhm für die Astronomie und die Wissenschaft im Allgemeinen.

Quellen

Berthold Brecht "Leben des Galilei"
Unterrichtsvorschläge zu Berthold Brechts Stück "Leben des Galilei".
[www.zum.de | 27.02.2012 | 16:09]