Meine Vision

Blogbeitrag von JS, 11.08.2011

Ja, ich möchte, dass du meine Vision teilst - aber doch nicht so! Teilen? Ja! Teilen soll man! Das lernt man schon von Anfang an. Man lernt es schon im Kindergarten und in der Schule und insbesondere wenn man Geschwister hat und mit ihnen aufwächst, dann wird man erinnert an das Teilen.
Auch wenn Künstler Werke schaffen, dann möchten sie ihre Ideen mit der Welt teilen. Der Musiker will, dass sein Song gehört; die Autorin möchte, dass ihr Buch gelesen und der Regisseur wünscht sich, dass sein Film angeschaut wird. Ein Künstler ist stolz auf das, was er geschaffen hat und wenn es auch dem Publikum gefällt, dann zeigt sich der Lohn dafür darin, dass Song, Buch oder Film gekauft werden. Zeitlicher und finanzieller Aufwand der Produktion, der kreativen Idee werden also durch den Kauf entschädigt. Das funktioniert wie in jedem anderen Job in dem eine Leistung entsprechend entlohnt wird. Wenn die Ideen also erfolgreich sind, dann kann der Künstler davon leben. Dieser Zusammenhang klingt einfach, doch das ist er schon lange nicht mehr!

Klar ist: Die Produktion eines Songs hat hohe Kosten verursacht. Ein Buch zu schreiben hat viel Zeit in Anspruch genommen und gerade bei der Entstehung eines Films werden diese beiden Aufwandsfaktoren noch vereint. Der Künstlererlös liegt einzig und allein im Verkauf des fertigen Produkts, denn von reiner Begeisterung kann der Kreative nicht leben. Deswegen verkauft er seine CD, sein Buch oder seine DVD.

Klar ist auch: Die Leute fragen Unterhaltung nach, weil sie sich von ihrem stressigen Alltag ablenken wollen. Die Anfrage besteht und es ist das Internet, das sich als Plattform für alle Formen von unterhaltsamen Inhalten anbietet. Es macht eine schnelle Verbreitung möglich und spricht gleichzeitig ein breites Publikum an. Doch neben solchen Chancen gibt es einige nicht legale Entwicklungen, die die Harmonie stören: Werke werden kopiert und meist in schlechterer Qualität zur freien Verfügung gestellt. Es erreicht uns schon lange nicht mehr nur noch das Original!

An die Konsequenzen für zukünftige Entwicklungen denkt aber anscheinend bisher kaum einer. Der einfache Zusammenhang des Gebens und Nehmens existiert so nicht mehr. Die Meinung des Künstlers gegenüber seinem Publikum ist klar: „Ja, ich möchte dass du meine Vision teilst, aber doch nicht so und v.a. nicht zu diesem Preis!“ Das Risiko, das man als Künstler bereits heute und wohl auch in Zukunft weiterhin eingeht, wird irgendwann nicht mehr tragbar sein. Je mehr die Kopien "boomen", desto mehr verdrängen sie die Originale und desto geringer ist die Wertschätzung für den Künstler. Wo bleibt dann also der Anreiz die Welt weiter zu "bespaßen"? Warum innovativ, kreativ, produktiv sein und sich Gedanken machen um neue Originale? Warum Ideen produzieren, wenn es sich doch einfach nicht lohnt und man es sich v.a. auch gar nicht mehr leisten kann. Auf welche Ebene reduziert sich der Wert von geistigem Eigentum?

Stellt man sich dann vor, dass sich irgendwann keiner mehr erbarmen wird und sich keiner mehr hauptberuflich mit neuen Ideen auseinander setzen will bzw. kann: Was wäre das für eine langweilige Zeit? Doch gibt es überhaupt noch Rettung? Wie kann man die negativen Entwicklungen stoppen und damit bewirken, dass sich die Grauzone der Urheberrechtsverletzungen nicht noch ausweitet? Das Thema wird immer relevanter und es brodelt, sodass sicher ist, dass etwas passieren wird: etwas im Sinne des Schutzes von geistigem Eigentum.
Und wenn es nicht anders geht, dann wird auch die Idee der "Kultur-Flatrate", als verpflichtende Pauschalabgabe, die dann unter ALLEN Internetnutzern aufgeteilt sein muss und den Künstlern zu Gute kommen soll, in Betracht gezogen. Dann ist es wieder so weit, dass man gezwungen wird zum Teilen: Ganz genauso wie damals im Kindergarten!

Julia Sodtke

Unterrichtsidee

Der Preis der Vision - Urheberschaft und Wertschöpfung
Indem sie den Aufwand für die Produktion eines Computerspiels aufzeigen, lernen die Schülerinnen und Schüler die Wertschöpfungskette eines Softwareunternehmens kennen. Die über eine Internetrecherche zusammengetragenen Aspekte des Themas Wertschöpfung werden in einer PowerPoint Präsentation dokumentiert und diskutiert.