Gedankendiebstahl

Blogbeitrag von FSJ, 03.12.2009

Der Missbrauch geistigen Eigentums ist nicht nur ein theoretisches Problem, sondern schlägt sich auch in persönlichen Schicksalen nieder:
Harald Windisch hätte das große Geld machen können: Überall in der Stadt hängen Werbeplakate mit einem Bild. Aber was niemand weiß - er ist der Fotograf des Werbefotos.
Über eine Internetcommunity wurde das Bild zuerst bekannt. Um Käufer zu finden, hatte er seine Porträtfotografie eines Transvestitenpärchens auf flickr gestellt, wo das Bild auch prompt großen Anklang fand.

Doch statt das Foto zu kaufen, wurde es hundertfach kopiert und über Foren und andere Netzwerke verbreitet. So stieß auch die PR-Agentur, die das Plakat designt hatte, auf Windischs Foto. Da kein Urheber angegeben war und sich die Verbreitung des Bildes auch nicht zurückverfolgen ließ, wurde das Bild aufrgund seiner großen Popularität und Werbewirksamkeit einfach übernommen.

Solche oder ähnliche Geschichten ereignen sich jeden Tag - der Missbrauch oder Diebstahl geistigen Eigentums ist kaum mehr aufzuhalten. Das Problem ist im mangelnden Bewusstsein der Bevölkerung verankert: Kaum einer weiß, dass er sich strafbar macht. Das Mitschneiden von Filmen oder das illegale Herunterladen von Musik wird oftmals als Kavaliersdelikt angesehen und ist immer noch gesellschaftlich weithin toleriert. Dadurch wird dem geistigen Eigentum - egal, ob es in Form von Texten, Bildern oder Musik auftaucht - der Wert entzogen, die kreative Leistung des Schöpfers wird herabgesetzt. Der Anreiz, Zeit und Geld in die Entwicklung etwas Neuen zu investieren, geht verloren. Die Konsequenzen sind eigentlich absehbar: Der Kreislauf der Innovation wird unterbrochen und auch die letzte Kreativität schwindet. Firmen ud Künstler die kein Geld mehr für ihre Werke erhalten, können in Zukunft auch nicht mehr in neue Ideen investieren. Der Diebstahl ihrer Ideen entzieht ihnen ihre Lebensgrundlage. Auch in der Forschung und technischen Entwicklung spiegelt sich dieser Prozess wieder und hat Auswirkungen auf den Standort Deutschland: Viele Arbeitsplätze hier hängen an der Entstehung und dem Schutz geistigen Eigentums.

Um geistiges Eigentum zu schützen und ihm einen passenden Wert beizumessen, die Einzigartigkeit neuer Entwicklungen und Kunstwerke zu wahren und weiterhin kommerziellen und ideologischen Anreiz für Innovationen zu schaffen, gibt es das Urheberrecht. Es entsteht bei der Umsetzung einer Idee und muss nicht erst angemeldet werden. Folglich sind auch Bilder, Musik oder Texte, die mit einer Suchmaschine gefunden werden können, geschützt. Damit ist auch die strafrechtliche Vefolgung derer verbunden, die sich nicht an das Urheberrecht halten und aich des Gedankengutes anderer unerlaubt bedienen. Doch neben technischen Schutzmaßnahmen in Softwareprogrammen und rechtlichen Schritten gegen Raubkopierer und Co. ist aber unerlässlich, das Bewusstsein in der Bevolkerung zu schärfen.
Das geschieht bereits durch Kampagnen im Kino, auf Plakatwänden und Aufkleber auf den Produkten. Das ist aber nicht genug. Wer sich bewusst macht, dass auch er geistiges Eigentum produziert und in der ein oder anderen Weise Urheber wird - sei es durch Urlaubsbilder, erste Bandaufnahmen oder den Schulaufsatz - sollte erkennen, dass man nicht nur materielles, sondern auch immaterielles Eigentum achten muss.

Unterrichtsidee

Harte Fakten - Urheberschaft und Verlustrechnung
Über die Veranschaulichung und Beurteilung von Daten zu Urheberrechtsverletzungen im Softwarebereich lernen die Schülerinnen und Schüler Verfahren der darstellenden Statistik kennen. Sie recherchieren und interpretieren Daten, bestimmen Kriterien und Verfahren für deren statistische Darstellung und präsentieren ihre Ergebnisse in Plakatform.