Von Gutenberg bis 01000001

Blogbeitrag von FB, 21.10.2009

Ein Buch zu kopieren ist kompliziert. So müsste man doch jede Seite einzeln auf einen Kopierer legen und auf die Start-Taste drücken.
Das Ergebnis lässt dann auch oft zu wünschen übrig. Bilder sind entweder von schlechter Qualität oder sogar schwarz-weiß. Kaum einer kommt daher auf die Idee ein Buch zu kopieren. Da kann man sich auch gleich das Buch kaufen.
Bei einem E-Book sieht die Sache schon ganz anders aus. Aus einem gedruckten A wird das Byte 01000001. Diese für einen Menschen unverständlichen Ziffern kann ein Computer in Rekordgeschwindigkeit kopieren. Einmal Copy & Paste und schon ist ein komplettes Buch dupliziert. Ähnlich verhält es sich mit Musik und anderen Medien. Johannes Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks, hätte bei dieser, für uns selbstverständlichen Technologie sicherlich große Augen gemacht. Auch sein Ziel war es, Bücher möglichst schnell und effektiv zu duplizieren.

Angekommen sind wir schon im digitalen Zeitalter. Doch müssen wir uns noch mit einem wichtigen Thema auseinander setzen: dem Urheberrecht. Bücher, Bilder und Musik gehören dem Autor, selbst, wenn die Werke schon in "Nullen und Einsen" umgewandelt sind. Viele Leute ignorieren das und duplizieren die Werke unerlaubt. Eine "Raubkopie" für einen guten Freund oder Filesharing im großen Stil ist zur Normalität geworden und wird von Vielen geduldet. Bis jetzt gibt es keine effektive Methode unerlaubte Kopien zu unterbinden. Schutzmaßnahmen werden schon fast routinemäßig von Raubkopierern umgangen. Bereits 1976 gab es Raubkopien vom ersten Windows-Vorgänger. Bill Gates verfasste damals einen offenen Brief[1], in dem er seinen Frust über die nicht autorisierten Kopien ausdrückte. Obwohl die Content-Industrie diverse Kampagnen gegen Raubkopierer gestartet hat und diese teilweise hart bestraft werden, steigt die Anzahl[2] der illegal kopierten Werke immer weiter an.

Blicken wir also einer Zukunft entgegen, in der es alles für nichts gibt? Eine Zukunft, der man sich per Mausklick den neusten Kinofilm zu Hause anschauen kann? Kostenlos? Ja und wir sind mitten drin.

Doch wie könnten neue Geschäftsmodelle aussehen, die auch den Künstlern und Autoren zu Gute kommen?
Ein Ansatz ist die Kulturflatrate[3].Das heißt, dass jeder Bürger zu einer Pauschalabgabe verpflichtet ist, die den Künstlern zu Gute kommt und im Gegenzug wird Filesharing und Kopien für den Privatgebrauch legalisiert. Jedoch lässt sich nur schlecht regeln, wie der Geldfluss an die Urheber aussehen könnte. Außerdem müssten auch diejenigen die Pauschale bezahlen, die das Angebot gar nicht nutzen.

Eine weitere Möglichkeit ist die Finanzierung durch Werbung. Wenn man sich ein aktuelles Musikvideo bei YouTube anguckt, kann man schon jetzt einen Link zu iTunes finden, wo man sich den Song kaufen kann. Jedoch fallen die Werbeeinnahmen zu gering aus, um den Schaden zu begleichen, der durch Raubkopien entsteht.
Eine endgültige Lösung des Problems gibt es noch nicht. Vielleicht wird ja irgendwann ein Genie wie Gutenberg auf eine geniale Idee kommen und die Medienlandschaft revolutionieren.

Quellen

[1] Open Letter to Hobbyists
Die Geschichte des offenen Briefs (Open Letter to Hobbyists) bei Wikipedia mit Link zur Version im HTML-Format.
[de.wikipedia.org | 21.03.2012 | 17:20]
[2] Studie: Viertel der Software raubkopiert
Der Focus berichtet, dass laut einer Studie ein Viertel der in Deutschland eingesetzten Software raubkopiert ist.
[www.focus.de | 21.03.2012 | 17:22]
[3] Kulturflatrate
Wikipedia-Beitrag zum Begriff der Kulturflatrate.
[de.wikipedia.org | 21.03.2012 | 17:23]