Denkanstoß eines Musikers

Blogbeitrag von FSJ, 26.06.2009

Hallo du, ich glaube, ich muss deutlicher werden. Ich bin mir dessen bewusst, dass ich eventuell eine Grundsatzdiskussion vom Zaun breche, die du schon kennst. Aber was sein muss, muss sein.
Ich habe nämlich Angst. Und nicht nur ich, ich würde sagen das gesamte Künstlermilieu. Und nicht nur Angst. Sondern auch Unmut.
Über meine Begabung will ich mich hier nicht streiten, ich bin nicht national bekannt, was wohl daran liegen wird, dass ich Nischenmusik mache. Und keinen Mainstream. Ob mir das bei dem Problem, das ich heute ankratzen möchte, nicht sogar von Vorteil ist, kann möglich sein. Muss aber nicht.

Ich spreche von Diebstahl. Das findest du überzogen? Nein, genau dieses Wort passt. Man muss das Kind beim Namen nennen. Oder, wie würdest du das nennen, wenn du um dein Eigentum gebracht wirst? Würdest du noch versuchen, das hochtrabend mit Urheberrechtsverstoß zu betiteln oder die unerlaubte Weiterverwendung sogar noch nach positiven Aspekten zu durchforsten. Bestimmt nicht. Niemand. Diebstahl ist Diebstahl. Warum werden Kassiererinnen wegen 32 Cent fristlos entlassen und für andere Verbrechen gibt es offizielle Plattformen? Ich spreche von allbekannten Musikseiten, zahlreich im Internet vorhanden. Und ich spreche von Songs. Ideen. Kunst. Persönlichkeit.Und Raub.

Jeder Musiker hat dieses Problem. Musikdiebstahl. Noch vor der Veröffentlichung eines Albums gibt es sämtliche Tracks auf dem Schwarzmarkt zum Runterladen. Für Niente. Das ist organisierter Diebstahl. Aus diesen Seiten folgt die logische Konsequenz, dass die CDs nicht mehr (oder zumindest nicht mehr im möglichen Umfang) gekauft werden. Im besten Fall noch von Nostalgikern, Sammlern und technisch Unbegabten. Aber das ist unser Leben. Diese Art des Musikvertriebs bringt uns um unser Gehalt. Unser Geld. Auch das Geld, das wir in neue CDs investiert hätten (das nur als Nebenerscheinung).Dieser Umgang mit Kunst ist von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Aber ich möchte nicht nur von handfesten Tatsachen sprechen. Es tut auch weh. Ich verstehe diese Missetaten als persönlichen Angriff. Vielleicht wirkt das überzogen und allzu sentimental. Aber das ist es nicht. Meine Musik ist individuell. Sie ist Teil meiner Persönlichkeit und im Grunde gehört sie mir. Aber mein Auftrag an mich lautet, diese Musik unters Volk zu bringen denn das ist das Ziel eines jeden Musikers. Aber nicht zu diesem Preis.

Auch wenn Kunst und Musik oft nicht als Arbeit gesehen werden. Es ist eine ebensolche. Und für Arbeit folgt eine angemessene Entlohnung. Das steht sogar im Grundgesetz. Es ist ein Menschenrecht. Es kommt eine gewisse Lethargie auf, eine Art Mutlosigkeit. Arbeit ohne Lohn ist reiner Idealismus. Durch Idealismus ist kein Lebensunterhalt zu bestreiten.

Es geht mir auch ums Prinzip. Es kann nicht sein, es darf nicht sein, dass diese Art von Straftat bagatellisiert wird. Wenn auch nicht legalisiert, aber geduldet. Es besteht ein juristisch leider nicht ganz durchsichtiges Urheberrechtgesetz, dass EU-weit genormt ist. Die Wirksamkeit, nicht nur aufgrund Ermessenssache und der Gesetzeslücken, lässt sich bestreiten.
Jeder weiß es, jeder kennt es, die Plattformen haben viel zu viele Nutzer. Musik unter der Hand zu verbreiten, bedeutet mit der gleichen Hand einen Faustschlag in die Magengrube der Künstler. Das Urheberrecht muss gestärkt werden. Datenklau darf nicht zur Gewohnheit werden. Und nichts anderes ist es. In keiner Kunstart. Auch nicht bei Büchern. Dafür heißt es jetzt einzustehen.
Ich möchte nicht mit erhobenen Zeigefinger dastehen, ich verurteile niemanden persönlich, mein Wille ist ein Denkanstoß aufgrund bestehender Loyalität zu Musikern, Künstlern, Schriftstellern und allen denen es ähnlich wie mir ergeht. Ich habe mit meinem Protest den ersten Schritt gemacht. Es wäre schön, Menschen neben mir zu haben.

Kunst ist Persönlichkeit. Und die darf nicht für umsonst im Internet verbreitet werden.

Annika Karg