Original abgekupfert

Blogbeitrag von FSJ, 24.06.2009

Picasso malte. Er malte, was ihm in den Sinn kam. Er malte so, wie er seine Kunstwerke haben wollte. Dadurch wurden seine Werke einzigartig, Kultur, besonders.
Doch das Besondere hat Nachahmer, immer. Neider, die keine derartige Kreativität in sich tragen, aber von den Talenten anderer profitieren möchten.
Picassos Werke wurden nachgemalt und als Kunstdrucke nachgefertigt. Der Ungar Elmyr de Hory beispielsweise, kopierte serienweise „Picassos“. Und zwar so täuschend echt, dass die Kopien sogar Einzug in Kunstmuseen fanden. Natürlich ist Picasso nicht das einzige Opfer solcher Verbrechen. Es wird kopiert, was das Zeug hält. Wer seine Kreativitätsauswüchse rechtzeitig durch Patente und Urheberrechte schützt, ist fein raus. Jede Kopie bringt ihm potenziell Geld - wäre da nicht die Piraterie.

Es ist schlichtweg unmöglich alle Nachdrucke und illegalen Anfertigungen aufzuspüren. Filme, Texte, Musikstücke – fast alles wird online gestellt und so für ein breites Publikum zugänglich gemacht. So weit kein Problem, im Gegenteil. Jeder Internetnutzer kann und sollte sich glücklich schätzen durch wenige Mausklicks Unterhaltung zu bekommen, meist sogar kostenlos.

Konsumieren reicht nicht! Die scheinbar unersättliche Gier des Menschen aber will mehr. Nichts ist mehr sicher, Lieder werden heruntergeladen, Texte auf der eigenen Homepage gespeichert, gar neu veröffentlicht. Natürlich sind einige Downloads und Wiederveröffentlichungen illegal, wer erwischt wird, muss mit Strafen rechnen. Diese Tatsache schreckt jedoch nur wenige ab. Zu leicht ist es, Inhalte abzukupfern. Youtube hat bereits Konsequenzen gezogen und macht Musikvideos nicht mehr in allen Ländern zugänglich, da das Internetportal die hohen Lizenzgebühren der Plattenfirmen, die das Urheberrecht besitzen, nicht mehr bezahlen kann. Ist es das, was die Verbraucher wollen? Wenn die Entwicklung weiter so verläuft, haben wir uns bald gewaltig ins eigene Fleisch geschnitten und müssen uns nicht wundern, wenn wir die freie Zugänglichkeit zu Kulturgut verlieren.

Künstler und Autoren leben von ihren Werken, genau wie Angestellte von ihrem Lohn. Das scheint in den Köpfen der Allgemeinheit jedoch nicht angekommen zu sein. Jüngst verkündete die schwedische Piratenpartei, sie wolle sich dafür einsetzen, dass „Filesharing“, was so viel bedeutet, wie Dateien, die man selbst auf dem Computer hat, ungehindert an andere weiterzugeben, kostenlos und legal werde.
Angeblich hätten alle etwas davon – sogar die Künstler, weil mehr Leute auf sie aufmerksam würden. Die Partei hat seit dieser Aussage regen Zuwachs erhalten – nicht nur in Schweden. Bei der diesjährigen Europawahl erreichten die Piraten in Deutschland mit 0,9 Prozent das beste Wahlergebnis ihrer Geschichte. In ihrem Heimatland Schweden reichten die 7,1 Prozent aus, um ins EU-Parlament einzuziehen. Und damit zu versuchen, den Künstlern die Rechte zu rauben an Eigentum, das sie mühsam erarbeitet haben. Die Piraten sind zufrieden. Und die Künstler?

Anita Edenhofnert