Angepinnt!

Blogbeitrag von JR, 29.05.2012

"Gefällt mir", "Teilen" oder "Twittern": Wenn man im Netz auf etwas stößt, das man seinen Freunden zeigen möchte, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Zusammengefasst werden sie anschließend für Freunde nachvollziehbar auf der Pinnwand. Seit der Entwicklung sozialer Netzwerke denkt man bei dem Wort "Pinnwand" an viel mehr als an ein Brett aus Kork mit bunten Post-It’s. Seit Anfang 2010 gibt es eine neue Form dieser Darstellung: Pinterest.Denn heute ist die eigene Pinnwand ein Platz zur Selbstdarstellung, dem Hinterlassen von Nachrichten und vieles mehr.
Das Wort "Pinterest"“ ist ein Neologismus aus "Pinnwand" und "Interessen". Genau das erklärt, was man auf Pinterest machen kann: Auf der englischen Website ist es möglich, eine private oder öffentliche Pinnwand zu führen. Anders als bei anderen Netzwerken, stehen dabei die Bilder und Videos im Vordergrund. Die Handhabung von Pinterest ähnelt dem Facebook-Gefällt mir-Button. Gepinnte Funde können von anderen kommentiert und erneut gepinnt, also repinned, werden. Man kann unterschiedliche Boards erstellen, auf denen die Pins platziert und geordnet werden.

Pinterest lebt also von den Aktionen der Nutzer: davon, dass immer neue Bilder außerhalb der Plattform gepinnt werden, sowie davon, dass Pins von anderen in die eigene Sammlung aufgenommen werden. Nach eigener Angabe soll der eigentliche Schwerpunkt beim Shoppen liegen, weshalb Pinterest ursprünglich unter die Kategorie "Social Shopping" fiel. Das scheint bisher gut zu klappen, denn der der Großteil der Nutzer von Pinterest ist weiblich.

Wer sich an den Gefällt mir-Button von Facebook gewöhnt hat, wird sich schnell mit dem Pin-it-Prinzip anfreunden. Auf den ersten Blick erscheint das "social bookmarking" praktisch. Außerdem sieht so ein Pinterest-Board mit seinen Lieblingszeichnungen oder Büchern viel schöner aus, als in der Lesezeichenleiste. Aber zwischen den beiden Buttons besteht ein Unterschied. Der Facebook-Button wird selbst eingefügt, während man mit dem Pin-it Button sämtliche Bilder einer Website pinnen kann, ohne dass eine zusätzliche Installation nötig ist.
Da stellt sich mir die Frage, wie weit man das unter Kontrolle behalten möchte. Es ist nicht leicht, den Überblick zu behalten, über das was möglich ist und das was man wirklich tun sollte. Denn grundsätzlich gilt: Wer die "Gefällt mir", oder "Twittern" Funktion auf seiner Website anbietet, erklärt sich dazu bereit, dass die Daten geteilt werden. Das Problem ist: mit "pin it" kann man theoretisch alles pinnen. Klar ist, dass Inhalte, die urheberrechtlich geschützt sind, nur mit Einwilligung der Inhaber vervielfältigt werden dürfen – das gilt auch fürs Pinnen und schließt neben Bildern auch Videos, Zeichnungen und Texte ein. Wird nun etwas, das ursprünglich schon rechtswidrig ist, geteilt haftet man automatisch mit. Auf den ersten Blick mag das sehr verwirrend sein, aber es hilft, sich vorzustellen, dass Teilen eben nicht gleich Teilen ist. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, seine Daten zu teilen.

Die Art des Teilens entscheidet über die Art einer etwaigen Haftung:
Teilen durch Verlinken: relativ geringes Risiko, weil Verweis auf Ursprung - ist erlaubt
Teilen durch Kopieren: benötigt immer Erlaubnis, auch wenn Quelle genannt ist. Haftung, sobald Rechtsverletztung
Teilen durch Einbinden: wird ähnlich wie Kopie behandelt, auch nur mit Erlaubnis erlaubt.

Bei Pinterest verhält sich das so: Pinterest erstellt von gepinnten Bildern Kopien. Das bedeutet, dass auch hier streng genommen eine Einwilligung der Urheber vorliegen muss und man bei einer etwaigen Rechtsverletzung haftet. Es gilt also: möglichst immer nur Auszüge teilen, keine ganzen Texte. Das ist gut zu wissen, hilft mir aber leider wenig bei der Frage, ob ich Pinterest nutzen sollte, oder lieber die Finger davon lasse. Denn: Auch wenn die Risiken bekannt sind, erfreut sich social bookmarking, wie es auf Pinterest möglich ist weiterhin großer Beliebtheit. Warum denn auch nicht, schließlich ist das eine gute Lösung, um einer Seite oder einem Produkt die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.

Unklar ist jetzt noch immer: Verletze ich mit der Nutzung von Pinterest nun Urheberrecht, oder nicht? Immerhin bleibt die ursprüngliche Quelle mit einem Klick stets erreichbar, also müsste das Pinnen doch theoretisch erlaubt sein – oder? Egal wo oder was man pinned, liked, oder twittert: solange man bei Inhalten fremden Ursprungs immer die Quellen angibt, sollte niemand etwas dagegen haben. Die Quellenangabe ist nur fair, immerhin ist die Grundidee von Pinterest klasse und sollte weiterentwickelt werden.

Ich stelle mir aber an dieser Stelle folgende Frage: Sollte man nun, bevor man in einer derartigen Grauzone wandert, bei dem Brett aus Kork bleiben? Oder sind die Vorteile, die Dienste wie Pinterest & Co größer und die Quellenangabe entschädigend?

Was meint ihr?

Weitere Informationen

Drohende Abmahnwelle
In diesem Artikel werden die urheberrechtlichen Fallen von Facebook und Pinterest beschrieben, um vor drohenden Abmahnwellen zu warnen.
[http://www.derwesten.de/ | 29.05.2012 | 11:58]
Der Umgang mit dem Urheberrecht
In seinem Blog zum Marketing in Social Web diskutiert Leander Wattig die urheberrechtliche Problematik in Angeboten wie Facebook und Pinterest.
[http://leanderwattig.de | 29.05.2012 | 12:13]
Vom Teilen und Verlinken
Auf der Seite der Rechtsanwälte Schwenke & Dramburg wird anschaulich dargestellt was bei Pinterest passiert und was Teilen und Verlinken eigentlich bedeutet.
[http://spreerecht.de | 29.05.2012 | 12:16]