Generalverdacht, nein danke!

Buchautorin Viviane Cismak kommentiert das Abschreiben von Texten

Viviane Cismak ist 19. Gerade fertig mit dem Abi, ist sie schon Buchautorin. Jetzt erschien von ihr: „Schulfrust – 10 Dinge, die ich an der Schule hasse“. Im Kommentar schreibt sie, was sie vom Abschreiben hält und warum sie die Verführung kennt, einfach Texte aus dem Internet abzuschreiben.
Wer schreiben will, sollte was zu sagen haben. Nur abzuschreiben oder zu kopieren ist unfair und bringt nichts. Denn fliegt der Schwindel auf, ist der eigene Ruf geschädigt – wie beim ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg. Und außerdem: Solche Skandale wecken Misstrauen gegenüber anderen Autoren.

Nicht nur einmal fragten mich Journalisten in Interviews, ob ich mein Buch selbst geschrieben hätte. „Man hört ja in letzter Zeit vor allem von jungen Autoren immer wieder, dass da viel aus dem Internet kopiert wird…“. So oder so ähnlich sagten es die Journalisten. Ich aber möchte nicht unter Generalverdacht stehen, nur weil andere Autoren es mit dem geistigen Eigentum nicht so genau nehmen.

Natürlich gibt es Situationen, in denen es Überwindung kostet, sich Eigenes einfallen zu lassen. Wie bei mir manchmal in der Schule: Wenn wieder ein Physikreferat anstand, war es verlockend, einfach den Wikipedia-Artikel dank Copy&Paste zu übernehmen und zu hoffen: Der Lehrer ist technisch nicht auf dem Laufenden. Meistens habe ich mir das nicht getraut und Artikel aus dem Internet umformuliert.

Heute sage ich: Ich wäre schneller und es wäre leichter gewesen, diese Passagen selbst zu formulieren. Dann hätte ich auch nicht mit der Befürchtung umherlaufen müssen, dem Lehrer ist es vielleicht doch zu nah am Originaltext.

Es lohnt sich, ein Werk in der Hand zu halten, das von einen selbst kommt und auf das man mit Stolz blickt; auch wenn es auf den ersten Blick nicht perfekt ist. Einen Text zu veröffentlichen und dafür aus den Texten anderer zu kopieren, das zeigt nur: Man hat nichts Eigenes zu sagen.

Viviane Cismak
Viviane Cismak: „Schulfrust – 10 Dinge, die ich an der Schule hasse“
208 Seiten | Taschenbuch
9,95 EUR (D) | 14,90 CHF (UVP)
ISBN 978-3-86265-065-1
Schwartzkopf & Schwartzkopf, Berlin 2011

Weiterführende Informationen

Das Buch
Wie Viviane Cismak den Schulfrust erlebte und was sie dazu bewegte ihr Buch zu schreiben.
[www.amazon.de | 26.11.2011 | 18:55]