Pop von der Akademie

"Mit halbgarem Kram haben Bands keine Chance"

Ein Interview über den Erfolg und die Arbeit im Musikbusiness: Viele Künstler scheitern am Musikbusiness, sagt Axel Schwarz. Er lehrt an der Popakademie in Mannheim, wie man Popmusiker wird. Und er bringt seinen Studenten bei, wie ein Unternehmer zu denken.
Mögen Sie Jan Delay?
Ja, warum?

Er hat kürzlich in einem Facebook-Eintrag an seine Fans geschrieben: "Saugt bitte alle ruhig weiter und lasst euch nicht erwischen."
Das habe ich nicht gelesen, aber ich finde solche Aussagen schwierig. Die Stars in der Musikbranche trifft es nicht so hart, wenn ihre Musik illegal heruntergeladen wird. Das Problem ist: Die Plattenfirmen sparen dann bei den jungen, unbekannten Bands. Ich sehe es ja bei meinen Studenten, die ins Musikgeschäft einsteigen wollen. Da weht ein ganz anderer Wind.

Was weht da für ein Wind?
Es ist ein enorm langer Weg, bis ein neuer Act einen Plattenvertrag bekommt. Da reicht es nicht aus, gute Musik zu machen. Häufig wird ein ausgefeiltes Marketingkonzept erwartet.

Das lernen Ihre Studenten an der Popakademie. Dort büffeln die künftigen Künstler im Seminarraum, wie man ein richtiger Popstar wird. Klingt, ehrlich gesagt, ein bisschen uncool.
Wir akademisieren nicht alles. Die Popakademie hält sich aus dem kreativen Prozess raus. Aber ein Musiker muss sich ja nicht nur um die Musik kümmern. Er muss vor allem wie ein Unternehmer denken. Man kann auch ohne die Popakademie erfolgreich sein. Es gibt Künstler, die sich alles selbst beibringen. Die sind aber auch gegen viele Wände gelaufen. Manchmal bleiben da welche auf der Strecke. Die sind vielleicht wunderbare Musiker, scheitern aber am Musikbusiness und an den Fehlern, die sie gemacht haben.

Was sind typische Fehler?
Vielen jungen Musikern fällt es schwer, ihre eigene Musik mit den Ohren des Publikums zu hören. Sie brauchen eine Weile, um zu verstehen, wie die Lieder für andere Menschen klingen. Sie müssen lernen, sich selbst immer wieder zu hinterfragen.

Ab wann können es sich Bands denn erlauben zu einer Plattenfirma zu gehen?
Erlauben können sie sich das immer. Nur mit halbgarem Kram haben sie keine Chance. Sie brauchen gute Musik und sie müssen eine Vorstellung davon haben, wie sie sich verkaufen wollen. Dazu gehören nicht nur die Songs. Dazu gehört auch eine gute Internetseite, ein Youtube-Kanal, Bandfotos. Wie soll das Album designt werden? Und welcher Kleidungsstil passt zu der Musik? Das ist alles wichtig.

Fällt ihnen ein Musiker ein, der das alles richtig gemacht hat?
Wir sprachen vorhin von Jan Delay. Der hat ja vielleicht eine ganz komische Stimme. Aber die ist ja gerade das Besondere an ihm. Wenn er im Radio gespielt wird, weiß jeder: Das ist Jan Delay. Es geht um Eigenheiten, um Originale. Die muss man finden.

Können Sie verstehen, dass Jan Delay es ist nicht so schlimm findet, wenn Musik illegal aus dem Internet gezogen wird?
Natürlich ist kein Künstler einem 14-jährigen Teenie böse, weil er sich sich die Musik aus dem Netz lädt.

Jan Delay ruft auch dazu auf, die Musik zu kaufen, die einem richtig gut gefällt.
Das sagen mir auch viele Studenten: Wenn sie etwas toll finden, kaufen sie sich die Platte. Das ist ein guter Ansatz. Hinter einem Album steckt viel Arbeit.

Bei iTunes kostet ein Album um die zehn Euro. Wer wird davon alles bezahlt?
An einem Album arbeiten mindestens 20 Leute. Das sind neben der Band auch externe Musiker, die für einzelne Lieder etwas einspielen. Der Toningenieur muss bezahlt werden, der Produzent und auch die Marketingabteilung. Dazu kommen die Leute, die dafür sorgen, dass die CD in den Läden steht oder runtergeladen werden kann.

Können die Bands von den CD-Einnamen leben?
Nur von den CD-Einnahmen kann sich kaum ein Musiker ernähren. Viele Musiker übernehmen neben der Arbeit für ihre eigentliche Band noch andere Jobs. Sie spielen noch für andere Musiker oder geben Musikunterricht.

Nehmen sie nicht auch mit ihren Konzerten Geld ein?
Ja, das ist eine wichtige Einnahmequelle - wenn die Band bekannt genug ist. Das Livegeschäft läuft gut, viele Menschen besuchen Konzerte, obwohl die Preise dafür gestiegen sind.

Axel Schwarz (48) unterrichtet an der Popakademie Baden-Württemberg Keyboards und Bandcoaching. Er arbeitet als Musiker, Komponist und Produzent und war Mitglied in der Jule Neigel Band.

Weiterführende Informationen

Bundesverband Musikindustrie
"Hinter einer Musikaufnahme bzw. dem letztlich verkauften Album oder Song steht ein komplexes Geflecht an kreativ und wirtschaftlich Beteiligten. Erst das Zusammenspiel von Songschreibern, Künstlern, Produzenten und Labels ermöglicht den Konsumenten den Zugang zu einer riesigen Vielfalt alter und neuer Musik unterschiedlicher Genres."
[www.musikindustrie.de | 07.12.2011 | 11:58]