Schulhofgespräch

Drei Original-Weihnachten

Silke, Claudia und Kaoutar erzählen von Ihren Weihnachten: Silke wie es einmal war – in Kanada. Kaoutar wie es ist – als Muslime. Und Claudia wie es sein wird – im ersten Weihnachtsjahr als Vegetarierin.
Silke: "Jeder Geschenke für 1000 Dollar."
Ich war zweimal zu Weihnachten in Kanada, bei meinen Gasteltern. Der Advent ist dort nicht so besinnlich wie in Deutschland, er ist konsumorientiert. Nur am 25. Dezember ist dann tatsächlich Weihnachten. Alle stehen früh auf und setzen sich im Pyjama vor den Weihnachtsbaum zum Geschenke auspacken. Dann kommt das Weihnachtsfrühstück, bei uns pochierte Eier in Käsesauce. Abends waren wir dann bei meinem Gastonkel, der für uns alle gekocht hat.

Jede Familie hat ihr eigenes Rezept für den Truthahn, zum Beispiel mit Brot oder Reis gefüllt. Ich habe als Einzelkind von meinen Eltern schon immer viele Geschenke bekommen. Aber das ist nichts im Vergleich zu Kanada. Dort braucht jeder zwei Stunden, um seine Geschenke auszupacken. Das geht ins Geld: Meine Gastschwestern haben von ihren Eltern Geschenke im Wert von etwa 1.000 Dollar bekommen. Jeweils. Aber auch sie haben ihren Eltern für mehrere hundert Dollar Geschenke gemacht. Trotzdem ist es sehr gesellig, weil die ganze Familie zusammenkommt. Ich möchte das auf jeden Fall noch mal erleben.
Kaoutar: "Der Weihnachtsmann hatte sich für mich erledigt."
Ich bleibe über Weihnachten im Wohnheim und bekomme Besuch von meiner besten Freundin aus Kiel. Der 24. Dezember ist für uns Muslime ein Tag wie jeder andere auch. Ich finde es immer etwas paradox: Weihnachten soll so besinnlich sein, aber wenn ich die gestressten Menschen auf der Straße sehe ... Trotzdem wichtele ich mit meinen Kommilitoninnen. Weil es hier nun mal so Brauch ist.

Mir gefällt auch die Weihnachtsdeko: Wenn die Bäume geschmückt sind und Lichter in den Fenstern hängen. Mittlerweile sage ich auch "Danke gleichfalls", wenn mir am letzten Tag vor den Ferien jemand Frohe Weihnachten wünscht. Mein kleiner Bruder ist 13 und möchte zu Weihnachten Geschenke bekommen. Weil nachher seine Freunde immer davon erzählen und er nichts beitragen kann. Deswegen überlege ich, ihm etwas zu kaufen, damit er auch was von der Weihnachtszeit hat.

Als Kind habe ich selber an den Weihnachtsmann geglaubt. Mein Vater schmunzelte nur und meinte: "Ich weiß noch nicht, ob er zu uns kommt." Er kam nicht, und dann hatte sich das irgendwann für mich erledigt.
Claudia: "Rotkohlstrudel und Knödel-Ratatouille als Versuch."
Mein Weihachten verändert sich gerade. Ich bin seit ein paar Monaten Vegetarierin, und deswegen gibt es ab jetzt keine Gans mehr zu Weihnachten. Zumindest für mich nicht; meine Eltern bleiben dabei.

Interessanterweise war die Weihnachtsgans einer der ersten Punkte, der meinen Eltern einfiel, als ich ihnen damals von meiner Entscheidung erzählt habe. Das war im Sommer. Ob ich jetzt zwei statt drei Komponenten auf dem Teller haben wolle? Das sehe doch komisch aus. Klar ist die Weihnachtsgans ein liebgewonnenes Ritual: Und ja, Fleisch schmeckt gut. Aber ich will nicht mitverantwortlich sein für die Folgen der industriellen Fleischproduktion. Also werde ich mich dieses Jahr selbst an den Herd stellen.

Zum Glück koche ich gern, und werde mich deswegen an Rotkohlstrudel und Knödel-Ratatouille versuchen. Vielleicht gelingt mir das so gut, dass ein neues Ritual daraus wird.