Sieg für die Code-Knacker

Kryptologe Klaus Schmeh über Passwörter und Töpfer-Rezepte

Klaus Schmeh ist eigentlich Informatiker. Als Informatiker hat er ein Spezialgebiet: die Kryptografie, also die Wissenschaft, die sich mit der Verschlüsselung von Daten und Informationssicherheit beschäftigt. Klaus Schmeh hat mehrere Bücher darüber geschrieben. Hier lest ihr, dass Menschen schon vor 3.500 Jahren Daten verschlüsselt haben. Nur eben auf Tontafeln.
Im Bereich der Datenverschlüsselung kann man sagen: Die Code-Entwickler haben gegen die Code-Knacker gesiegt. Bis in den Zweiten Weltkrieg hinein war kaum eine Verschlüsselung auf Dauer vor einem guten Codeknacker sicher. Heute kann dagegen jeder Verschlüsselungsprogramme herunterladen, gegen die selbst ein Experte nichts mehr ausrichten kann. Allerdings hängt die Sicherheit oft an einem Passwort, und dieses nützt wenig, wenn es beispielsweise der eigene Nachname ist.

Deshalb ist es wichtig, bei der Passwortwahl auf verschiedene Kriterien zu achten. Am besten nimmt man die Anfangsbuchstaben eines Satzes und streut ein paar Zahlen oder Sonderzeichen ein. Verschlüsselung hatte übrigens in früheren Jahrhunderten den gleichen Zweck wie heute: Man wollte sich vor neugierigen Mitlesern schützen, die es beispielsweise in der Diplomatie, beim Militär oder in der Wirtschaft zur Genüge gab.

Das älteste bekannte Beispiel ist eine Tontafel, auf die ein Töpfer ein Glasur-Rezept schrieb - mit selbsterfundenen Buchstaben, die vermutlich sonst niemand kannte. Als im 19. Jahrhundert die Telegrafie aufkam, entwickelte man neue Verfahren - man baute sogar spezielle Geräte bis zu Schreibmaschinen mit Verschlüsselungsfunktion. Im 20.Jahrhundert schritt die Entwicklung weiter voran. In den 70er Jahren, als der Computer aufkam, etablierte sich die Kryptologie schließlich als Fach an den Universitäten – mit großem Erfolg.
Das neueste Buch von Klaus Schmeh über die Kryptografie erscheint am 27. Februar 2012: Nicht zu knacken. Von ungelösten Enigma-Codes zu den Briefen des Zodiac-Killers. Hanser, München 2012.