@Darius471

Poetry-Slammer lobpreist digitale Fluchtwege

André Herrmann und die Sprache. Das ist eine Sache für sich. Denn André ist Poetry-Slammer. Und fürs Slammen braucht er Sprache. Dass wir heute Sprache in Mails benutzen, in Chats und für SMS, das verändert Sprache. Alles wird schlechter? Nein, nein. André sagt: Manches geht ganz hervorragend einfach.
Für meine Begriffe völlig zu Unrecht ist das Internet verschrien als Ort von Unhöflichkeit und verbaler Entgleisungen. Menschen beschimpfen sich auf Facebook-Pinnwänden, beschimpfen sich per Mail oder in Youtube-Videos minderwertigster Qualität. Dabei macht gerade die digitale Kommunikation etwas so herrlich einfach, was sich besonders schwierig erweist, wenn man mal wieder von der Nachbarin im Hausflur abgepasst wurde und sogleich ihre gesamte Lebensgeschichte offeriert bekommt: Das Ignorieren.

Nirgendwo sonst ist es so leicht, nervigen Status-Mitteilungen über das Wetter, „Laaangweilig!“-Kommentaren und "Steffen braucht Holz für seine Farm, bitte hilf ihm dabei"-Anfragen zu entgehen, als durch bloßes Schließen des Browsers oder Chat-Fensters. Und wenn nichts mehr hilft, weil sogar die eigene Mutter bei Skype in einen Redeflash gerät, kann man mit Smileys antworten, bis sie verstanden hat: das Interesse war schon vor zwanzig Minuten ausgeschöpft.

Letzten Sommer war ich bei einem Twittertreffen. Irgendwann landete ich in einem Gespräch mit @Darius471. Minutenlang erzählte er von irgendeiner revolutionären Programmiersprache. Ich versuchte möglichst gelangweilt auszusehen, aber mein zum Interessiert-Mich-Nicht-Smiley geformtes Gesicht schien ihn vielmehr zu animieren. Und er hätte die halbe Nacht geschwafelt, hätte ich nicht einfach „Laaangweilig!“ gerufen und mich interessanteren Leuten zugewandt. Am nächsten Morgen hatte mir @Darius471 zwölf gemeine Mails geschrieben. Ich entsorgte sie – ohne Kommentar, aber genüsslich.

Über Andrè Herrmann: Er ist Politikwissenschaftler und Poetry-Slammer. Seit 2008 tritt er monatlich als Gründungsmitglied bei der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz auf und organisiert den Leipziger livelyriX Poetry Slam. Er gewann zahlreiche Poetry Slams im deutschsprachigen Raum, veröffentlichte bereits in Zeitschriften und Anthologien und ist Träger des Michael-Lindner-Preises 2009. Gemeinsam mit Julius Fischer bildet er das Team Totale Zerstörung, das 2011 vor 4.500 Zuschauern in der O2 World in Hamburg die deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam gewann. Seit 2006 veröffentlicht André Herrmann in seinem Blog.

Weiterführende Informationen

NNAMRREHERDNA
Der Blog von André Herrmann.
[www.andreherrmann.de | 23.03.2012 | 13:20]
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[www.facebook.com | 23.03.2012 | 13:21]
Für Kurzangebundene
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[www.twitter.com | 23.03.2012 | 13:22]