Von allem mehr

Gastkommentar des Chefredakteurs von news.de

Michael Kraft ist Chefredakteur der Online-Plattform www.news.de und sagt: "User beeinflussen die Aufbereitung von Nachrichten im Netz." Hier lest ihr die Sicht des 34-Jährigen: Wie sich die Möglichkeiten des www auf die Präsentation und News-Arbeit im und mit dem Netz auswirkt.
News.de, die ZDF-Mediathek oder die iPhone-App des "Kicker"-Online-Journalismus hat viele Formen. Ein Wort ist aber zentral für alle: "mehr".

Im Netz gibt es für Journalisten mehr Tempo, mehr Platz, mehr Quellen, mehr Feedback, mehr Möglichkeiten. Jeder Text kann theoretisch unendlich lang sein, mit Links noch zusätzliche Dimensionen eröffnen, mit Fotostrecken, Videos oder interaktiven Grafiken ergänzt werden. Bei der Recherche für ein Thema kann ein Beitrag aus der "New York Times" hilfreich sein, ein Video von Al Jazeera oder ein Tweet aus Neuseeland. Alles ist sofort verfügbar, alles passiert hier und jetzt.

Das Beste daran: Auch die Rückmeldung durch die User erfolgt live. Bei einer Zeitung muss ich warten, bis der Leser irgendwann das Blatt im Briefkasten hat – und auch dann weiß ich noch nicht, ob er meinen Artikel lesen wird. Beim Fernsehen kommen die Einschaltquoten erst am nächsten Tag. Im Netz sehe ich unmittelbar, wie viele User meinen Text lesen, wie viele "Gefällt mir" sagen oder per Kommentarfunktion ihre Meinung äußern. Das macht nicht nur Spaß – es hilft auch, zu erkennen, was die User interessiert.

Ein "mehr" bietet der Online-Journalismus deshalb auch für das Publikum. Nie zuvor konnte man sich in solcher Tiefe und Breite, sogar meist kostenlos, über das aktuelle Geschehen auf der Welt informieren. Ebenfalls so groß wie nie zuvor ist die Macht der User: Wie, was, wann und wo berichtet wird – all das wird unmittelbar von ihnen beeinflusst. Jeder Klick auf ein Thema, jeder Retweet, jedes "Gefällt mir", jede Anfrage in einer Suchmaschine – all das wirkt sich aus auf die Frage, wie Medien im Netz berichten.

"Mehr Demokratie" kann man als Optimist als Ergebnis erwarten. "Mehr Einheitsbrei" werden die Pessimisten befürchten. Dazwischen stehen die wichtigsten Aufgaben für das Publizieren im Zeitalter des Internets: Journalisten müssen auswählen, was wichtig ist. Nachprüfen, was richtig ist. Und so einmalig berichten, dass der User zufrieden ist.

Über den Autor:
Michael Kraft (34) ist Diplom-Journalist und seit Dezember 2011 Chefredakteur von news.de.

Weiterführende Informationen

News.de
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[www.news.de | 23.03.2012 | 13:20]