Schulhofgespräch

Netzgeschrieben

Sie lesen im Netz, sie lesen nicht im Netz und sie schreiben im Netz. Louisa, Philipp und Sascha. Die drei sind nicht gerade einer Meinung. Doch hat jeder seine eigene und sagt: Warum Blogs ohne Smileys besser sind, was "Die Maggi der Worte" ist und warum Geschichten so schwer zu Ende zu schreiben sind.
Louisa: "Keine Sachen schreiben, die man sich genauso gut erzählen könnte."

Ich hab noch nie einen Blog gelesen. Das liegt daran, dass ich mich eh selten im Internet bewege. Ich finde das sehr unsicher. Da landet man schnell auf illegalen Angeboten. Mit Twitter oder Podcasts habe ich auch nichts zu tun. Sein Leben im Internet auszubreiten, das kann ich nicht nachvollziehen. Man gibt so viele Informationen preis, die in völlig anderen Zusammenhängen und völlig verdreht wieder auftauchen können. Oder der Arbeitgeber liest, wie betrunken man auf der letzten Party war ... Das kann unangenehme Folgen haben. Ich bin natürlich auch keine Spielverderberin, aber wenn, dann würden mich eher Blogs interessieren, wenn ich die Leute dahinter kenne. Wichtig finde ich, dass man nicht nur Sachen schreibt, die man sich genauso gut schnell erzählen könnte. Und es sollte schon so geschrieben sein, dass man auch ohne viele Smileys klar macht, was lustig gemeint ist und an welchen Stellen man sich ärgert.
Philipp: "Es ist wichtig, regelmäßig zu schreiben."

Ab und zu lese ich Blogs. Angefangen hab ich wegen eines Kumpels. Die Hörer seines Podcasts wollten mehr über den Entstehungsprozess wissen. Ansonsten habe ich sehr viel über Sport gelesen, Tipps, Trainingserfolge. Und über Maltechniken. Ein paar habe ich verwendet, aber vor allem fühlt es sich gut an, für den Fall der Fälle mal drüber gelesen zu haben. Ich lese zum Beispiel auch gern den Stil-Blog von Tilman Prüfer auf zeit.de. Der ist gut geschrieben und ich mag es, wie er immer wieder Gedanken einwebt, die nicht unbedingt zur Modewelt gehören. Außerdem ist es wichtig, dass man regelmäßig schreibt, damit die Leute auch wissen, es lohnt sich wieder vorbei zu kommen. Das ist die größte Baustelle bei meinem eigenen Blog "Die Maggi der Worte". Mein Blog ist mein Experiment, meine Spielwiese. Mir selbst ist der literarische Anspruch wichtig. Und dass der erste Satz gut ist. Der muss in den Text reinziehen.
Sascha: "Mir fallen immer neue Geschichten ein, bevor ich mit einer fertig bin."

Ich lese meistens Foren, die sich auf Spiele beziehen. Zum Beispiel von World of Warcraft. Oder Gildenforen. Wenn sich zum Beispiel in der Gruppe, in der man spielt, etwas verändert, schreibt man darüber Berichte. Ist ja keiner 24 Stunden online, um alles in Echtzeit zu verfolgen. Ich habe schon viele Geschichten angefangen, weil mir immer neue einfallen, bevor ich mit den anderen fertig bin. Denn ich schreibe mal über Werwölfe, dann Untote oder Elfen. Kritik ist eher selten. Man gibt vor allem Hinweise, wenn was mit der Spielgeschichte nicht zusammenpasst. Denn die ist so umfangreich, die kann keiner vollständig wissen. Erst war ich auch darauf aus, höhere Level zu erreichen, aber mittlerweile macht es mir mehr Spaß, miteinander zu spielen als gegeneinander. Bei uns Rollenspielern geht es mehr um Authentizität, direkt im Spiel und eben auch in den Foren. Man könnte sagen, dass wir alle zusammen an unserer Geschichte arbeiten. Wir spielen am Computer und schreiben gleichzeitig alle an einem Buch.