"Viel gefaked."

Ein Gespräch darüber, beim Onlineshopping nicht reingelegt zu werden.

Karin Thomas-Martin ist Telekommunikationsberaterin bei der Verbraucherschutzzentrale Baden-Württemberg. Sie weiß alles über Internet-Abzocke. Gütesiegel, die keine Gütesiegel sind, Zollgebühren von 250 Euro für ein Paar Schuhe und ganz neu: so genannte Portale. Was das ist, lest ihr hier.
Helfen Bewertungen von anderen Kunden bei der Entscheidung, ob ein Online-Shop seriös ist?
Nicht unbedingt. Da wird natürlich viel gefaked, die Anbieter schreiben sich selbst gute Bewertungen. Das Ganze ist nur dann interessant, wenn ausschließlich echte Käufer bewerten dürfen, so wie bei Ebay. Aber es gibt zum Beispiel auch Betrüger, die erst mal eine Zeitlang seriös liefern, damit sie ein paar gute Bewertungen bekommen.

Wie finde ich sonst heraus, ob ein Shop vertrauenswürdig ist?
Ein Blick ins Impressum zeigt, wie lange es den Shop schon gibt, wo er seinen Sitz hat und ob er im Handelsregister eingetragen ist.

Es gibt verschiedene Gütesiegel für die Seriosität eines Anbieters...
Trusted Shops zum Beispiel. Aber auch da muss man genau hinschauen: Auf manchen Seiten wird der Anschein erweckt, der Anbieter hätte dieses Gütesiegel, obwohl das gar nicht stimmt.

Wie kann ich das prüfen?
Indem Sie auf die Seite von Trusted Shops gehen und gegenchecken, ob der entsprechende Anbieter dort tatsächlich aufgeführt ist.

Ein Gütesiegel ist keine Garantie dafür, dass beim Kauf alles glatt läuft, oder?
Nein. Es kommt vor, dass sich der Inhaber eines Siegels nicht gesetzeskonform verhält. Das kann man dann der Vereinigung, die das Siegel vergibt, melden - aber zu seinem Recht kommt man dadurch nicht unbedingt.

Was sollte man noch beachten?
Der Preis allein darf nicht entscheiden. Man muss auch auf die Nebenkosten, zum Beispiel Versandkosten, achten und die Produktbeschreibungen sorgfältig prüfen. Ein gutes Zeichen ist es auch, wenn der Anbieter eine längere Garantie gibt als die gesetzlich vorgeschriebenen zwei Jahre.

Wann sollte ich misstrauisch werden?
Bei sehr billigen Angeboten. Wenn wir glauben, einen Vorteil zu haben, denken wir oft nicht mehr richtig nach. Damit werden viele Käufer in die Falle gelockt. Bei einem supergünstigen Angebot überweisen sie dann auch mal vorab. Und wenn es dumm läuft, warten sie dann. Und warten und warten und warten. Und es kommt keine Ware.

Haben Sie ein Beispiel für so einen Fall?
Letzte Woche war eine Frau bei mir, die hatte im Netz günstig Markenschuhe bestellt und zwar bei einem Anbieter aus den USA. Versandt wurde die Ware aber von China aus. Die Kundin bekam einen Anruf vom Zoll, denn der Händler hatte die Schuhe als Geschenk verschickt, um den Zoll zu umgehen. Die Frau hat dann selbst die 250 Euro Zoll bezahlt. Und als sie das Päckchen ausgepackt hat, waren es minderwertige Plagiate.

Ärgerlich!
Und dabei hat die Kundin noch Glück gehabt, sie hätte auch eine Anzeige wegen Urheberrechtsverletzung bekommen können.

Dafür kann der Käufer haftbar gemacht werden?
Unter Umständen schon. Ich hatte mal einen jungen Mann da, der eine Handyschale bestellt hatte. Er bekam ein Mahnschreiben vom Anwalt des Unternehmens. Die Argumentation: Er hätte aufgrund des günstigen Preises erkennen müssen, dass es sich um ein Plagiat handelt.

Und was musste er bezahlen?
Es wären um die 1000 Euro gewesen. Mit Hilfe eines Anwalts konnte das Problem aber gelöst werden.

Nehmen solche Betrugsfälle zu?
Ja, solange es Käufer gibt, die superbillige angebliche Marken-Ware bestellen. Aber Betrüger denken sich auch immer neue Tricks aus. Ein relativ neues Phänomen, auf das viele Kunden hereinfallen, sind sogenannte Portale.

Was für Portale?
Zum Beispiel www.grosshandel-angebote.de. Die Seite funktioniert so: Ich suche Markenschuhe billig. Und lande auf diesem Portal, das damit wirbt, Großhandelspreise zu haben. Um das Angebot für meine Schuhe überhaupt zu sehen, muss ich mich erst mal bei dem Portal anmelden. Und übersehe dabei den Kostenhinweis: Die Mitgliedschaft dauert mindestens zwei Jahre und kostet pro Jahr 250 Euro!

Aber ich kann das doch innerhalb von zwei Wochen widerrufen.
Eben nicht. Prinzipiell habe ich zwar bei jedem Kauf im Internet ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Diese Regelung gilt aber nur für Endverbraucher. Wenn ich mich aber bei einem Portal für Gewerbetreibende anmelde, dann gebe ich mich ja als Händler aus. Und bei Online-Verträgen zwischen Gewerbetreibenden gibt es kein gesetzliches Widerrufsrecht.

Was tun, wenn man beim Online-Kauf betrogen wurde und keine Ware erhalten hat?
Dann muss man leider damit rechnen, dass das Geld weg ist. Zur Polizei sollte man natürlich trotzdem gehen.

Um Anzeige zu erstatten.
Genau. Aber von der Anzeige kommt das Geld auch nicht wieder zurück.

Weil hinter der Seite gar kein Anbieter steckt, der haftbar gemacht werden könnte?
Das sind einfach Betrüger. Die bauen eine Webseite, laden ein paar Bilder hoch, bieten begehrte Produkte superbillig an, verlangen Vorkasse und machen sich dann mit dem Geld dünne. Ich will hier keine Anleitung zum Betrügen vorlegen...

Aber es ist eben ziemlich einfach...
Ist es. Und die meisten Kunden, die sich bei uns beschweren, erzählen eben genau das: "Das war so ein günstiges Angebot, da konnte ich nicht wiederstehen..." Deshalb der simple Rat: Je mehr der Preis vom üblichen Ladenpreis abweicht, desto vorsichtiger sollte man sein.

Sind Sie selbst schon mal auf einen Betrugsversuch reingefallen?
Nicht wirklich. Ich habe mal bei Ebay eine Gartenschere gekauft, die nicht ganz meinen Vorstellungen entsprochen hat. Aber im Prinzip war ich selbst schuld: Wenn ich die Produktbeschreibung genau gelesen und einen Meterstab zur Hand genommen hätte, dann hätte ich gewusst, was mich erwartet.

Bei Ebay übernimmt der Anbieter aber auch ein Stückweit die Verantwortung dafür, dass die Privatverkäufer ordentlich liefern, oder?
Ja, Ebay hat den Treuhandservice eingeführt, als sich die Betrugsfälle häuften. Das kostet etwas mehr, aber die Zahlung wird erst freigegeben, wenn der Käufer die Ware erhalten hat und innerhalb von zwei Tagen keinen Mangel gemeldet hat.

Welche Zahlungsmethode ist bei einem normalen Online-Kauf die sicherste?
Die Zahlung per Rechnung nach Erhalt der Ware oder die Genehmigung zum Lastschrifteinzug. Da kann man im Zweifelsfall sechs Wochen Zeit, die Lastschrift von der Bank zurückzuverlangen.

Weiterführende Informationen

Alles Güte
Neben Trusted Shops gibt es noch etliche weitere Gütesiegel für Online-Shops. Der gemeinnützige Verein D21 hat eine eigene Seite entwickelt, auf der sie alle aufgezählt und bewertet werden - nach eigens dafür entwickelten Qualitätskriterien.
[www.internet-guetesiegel.de | 10.05.2012 | 16:33]
Reingefallen?
Hier bekommt man Tipps dazu, wie man sich am besten verhält, wenn man auf eine Internet-Abzocke reingefallen ist. Und man kann sich einen Musterbrief runterladen, um den Forderungen der Abzocker zu widersprechen.
[www.vz-bawue.de | 10.05.2012 | 16:33]