90 Prozent Spam

Ein Gespräch über Spam

Spammails sind einfach zu programmieren, haben keinen offiziellen Absender und mit Spam kann man Geld verdienen. Warum trotzdem nur wenige davon in unseren Mailkonten landen und warum auch Handys schon zugespammt werden, sagt Spamforscher Frank Niemann.
Ich habe kürzlich eine Spammail bekommen, in der ich herzlichst ins Casino eingeladen wurde. Ich war nie auf so einer Seite oder hab denen nie meine Mailadresse gegeben: Warum bekomme ich trotzdem diese Nachricht?
Wahrscheinlich haben Sie früher an einem Gewinnspiel teilgenommen und dort Ihre Mailadresse angegeben. Vielleicht steht sie auch auf einer Internetseite. Das reicht, damit Sie in einem Spam-Verteiler landen.

Wie komme ich da wieder heraus?
Wahrscheinlich gar nicht. Sie könnten sich eine neue Mailadresse zulegen und mit der vorsichtiger sein.

Wie soll das gehen? Jede Anmeldung im Internet funktioniert nur mit Mailadresse.
Dann sollten Sie darüber nachdenken, ob Sie sich wirklich bei allen Communitys und Gewinnspielen anmelden wollen. Wenn Sie ins Fitnessstudio gehen und dort ihre Daten angeben, dann können Sie das E-Mail-Feld auch leer lassen.

Wer verschickt Spammails?
Die meisten Nachrichten werden aus den USA verschickt, und Indien, Brasilien, Russland, England und Deutschland.

Und wer steckt dahinter?
Das weiß ich nicht. Das ist auch schwer, nachzuvollziehen, weil die Mailadressen, von denen sie verschickt werden, oft gar nicht existieren.

Wie geht das denn?
Es gibt Programme, mit denen kann man Mails verschicken, ohne eine Absenderadresse zu haben.

Ist es schwierig, das zu programmieren?
Nein, das haben Studenten im Labor schon selbst programmiert.

Gut, aber selbst wenn es so einfach ist: Die meisten Spammails landen im Papierkorb. Was bringt das den Versendern?
Ganz einfach: Sie sollen Geld ausgeben, zum Beispiel im Online-Casino.

Aber macht da wirklich noch jemand mit? Es weiß doch jeder, dass diese Nachrichten nur sehr billige Werbung sind.
Eben, sie sind billig. Mails kosten gar nichts, die werden an Hunderttausende geschickt. Selbst wenn nur 100 Leute mitmachen, und es machen bestimmt 100 mit, dann haben die Absender Geld verdient. Oder Sie klicken nur auf deren Seite und erhöhen somit die Besucherzahlen.

Wie hoch ist der Schaden, den solche Mails anrichten?
Es gibt eine Berechnung, wonach die Unternehmen in Deutschland im Jahr 2005 4,5 Milliarden Dollar wegen der Spamnachrichten verloren haben.

Wie wurde das ausgerechnet?
Zum großen Teil summiert sich das Geld aus der Arbeitszeit, die Mitarbeiter damit verbringen, Spamnachrichten anzuklicken, zu lesen und wieder zu löschen. Außerdem braucht es einen Mitarbeiter, der die Anti-Spam-Software betreut.

Und wer kümmert sich darum, dass die Spammails nicht die privaten Mailkonten überfluten?
Die Mailbetreiber sortieren viel Spam aus.

Das heißt, die filtern die Mails, die an mich adressiert sind?
Wahrscheinlich schon. Am Tag werden weltweit zwischen 40 und 60 Milliarden Spammails verschickt, das sind 90 Prozent aller Mails. Die meisten davon kommen nicht beim Nutzer an.

Wie werden die herausgefiltert?
Es gibt mehrere Verfahren, eines heißt Greylisting. Da lehnt der Server Ihres Mailbetreibers jede Mail erst einmal ab und fordert den Absender-Server dazu auf, die Nachricht ein zweites Mal zu schicken. Spamsoftware ist aber so programmiert, dass sie die Nachricht nur einmal rausschickt.

Kann es auch passieren, dass ernsthafte Mails nicht ankommen?
Das wäre ganz schlecht für die Mailbetreiber und darf nicht passieren. Wenn der Betreiber unsicher ist, dann schiebt er die Mail in Ihren persönlichen Spamordner.

Wenn die Mailbetreiber nicht filtern würden, wie viele Mails würde ich bekommen?
Das hängt nur von Ihnen ab. Wenn Sie Ihre Adresse überall angeben, können Sie mehrere hundert Spamnachrichten bekommen.

Jetzt übertreiben Sie aber.
Nein, Studierende haben das getestet und eine neue Adresse angelegt. Diese haben sie auf verschiedenen Internetseiten angegeben, in Foren gepostet. Sie waren ein willkommenes Opfer.

Und, wie viele Nachrichten bekamen Sie?
300 bis 400 am Tag.

Haben Sie Hoffnung, dass die Mailbetreiber in Zukunft alle Spammails herausfiltern können?
Wahrscheinlich werden die Spammails abnehmen, aber es gibt andere Möglichkeiten, unerwünschte Nachrichten zu verbreiten. Seitdem Sie über das Internet kostenlos telefonieren können, nehmen die Werbeanrufe zu. Mittels eines Programms werden hunderte Telefone angerufen, auf die eine vorher eingesprochene Werbebotschaft gesendet wird. Damit können nicht nur Smartphones, sondern auch die Telefonanlagen ganzer Firmen lahmgelegt werden.

Weiterführende Informationen

Wissenswert
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat auf einer übersichtlichen und gut verständlichen Seite Wissenswertes zum Thema zusammengefasst: Welche Arten von Spam gibt es? Sind sie gesetzlich verboten? Was kann man dagegen tun?
[www.bsi-fuer-buerger.de | 07.06.2012 | 14:43]
Für Beschwerden
Auf dieser Seite kann man sich über Spam beschweren. Der Verband der deutschen Internetwirtschaft eco und die Freiwillige Selbstkontrolle Multimediadiensteanbieter FSM kümmern sich dann darum. Das Projekt wird von der EU unterstützt.
[www.internet-beschwerdestelle.de | 07.06.2012 | 15:22]