Plagiate nutzen: kurz gedacht

Blogbeitrag von RS, 01.04.2009

Plagiate nutzen heißt: zu kurz denken und das in mehrfacher Hinsicht. Da ist neben dem Qualitätsaspekt[1] der volkswirtschaftliche Aspekt.
Mit dem Umfang, den die Verbreitung von Plagiaten mittlerweile weltweit angenommen hat, beschäftigt sich bereits ein anderer Beitrag[2] in diesem Blog. Jedoch stellt sich die Frage, welche Folgen sich daraus für jeden einzelnen und für die Volkswirtschaft ergeben.

Der Schluss, dass die Hersteller und Vertreiber von Plagiaten nur sehr selten ihre Einkünfte versteuern, oder die anfallende Mehrwertsteuer auf die Preise aufschlagen und abführen, liegt sehr nahe. Der Versuch, beim Kauf einer Kopie eines Filmes oder eines Computerspieles auf dem Flohmarkt eine Quittung mit Mehrwertsteuerausweis zu bekommen, ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Ein großer Teil dieses Marktes findet in der Illegalität statt und entzieht sich damit der steuerlichen Erfassung. Der Verlust von Steuereinnahmen ist die Folge. Die Deckung der notwendigen Staatsausgaben ist trotzdem erforderlich – jeder einzelne bezahlt damit seinen Anteil an den Steuern, die von diesen Anbietern nicht gezahlt werden.

Eine nicht endgültig zu beziffernde Anzahl von Personen – die Dunkelziffer ist hier sehr hoch – werden Jahr für Jahr auf Grund des Versagens von Nachbauten sicherheitsrelevanter Maschinen-, Auto- und sogar Flugzeugteile verletzt oder getötet. Neben dem Schicksal der Betroffenen stehen die finanziellen Belastungen der Kranken- und Rentensysteme. Kosten verursacht durch Plagiate, die durch die Allgemeinheit zu tragen sind.

Der Vertrieb von Produktfälschungen entzieht dem legalen Markt Kaufkraft. Umsatz- und Gewinneinbußen der legalen Anbieter sind ebenso die Folge wie der Verlust von Arbeitsplätzen. Die im bereits zitierten Beitraggenannten Zahlen sind beeindruckend. Die Belastung der Volkswirtschaft durch diese Ausfälle in Form von Unterstützungszahlungen an die Betroffenen (Arbeitslosengeld und Hartz IV) liegen auf der Hand – natürlich neben den Einzelschicksalen der Betroffenen, die ihren Arbeitsplatz verlieren.

Die Nutzung von Plagiaten hemmt die technologische Entwicklung. Man mag es bedauern, aber unsere Welt funktioniert nun einmal so; technologische Entwicklungen erfolgen in erster Linie, um aus der Verwertung dieser Entwicklung finanzielle Erträge zu erwirtschaften. Die Beschränkung des Marktes, indem die entstehenden Entwicklungskosten durch illegale Nachbauten wieder eingespielt und Gewinne erwirtschaftet werden können, hat zur Folge, dass das Risiko für Investitionen für die Unternehmen erhöht und damit die Entscheidung, eine bestimmte Entwicklung zu beginnen, unter Umständen negativ ausfällt. Daneben folgt aus der Einschränkung des legalen Marktes natürlich die zwangsläufige Notwendigkeit, die Preise für das legale Produkt zu erhöhen – mit anderen Worten: Plagiate sind eine Ursache für hohe Preise legaler Produkte.
Durch die Nutzung von Plagiaten, Produktfälschungen, Raubkopien oder wie immer man sie nennen mag, trägt jeder einzelne seinen Anteil zur Entstehung immenser volkswirtschaftlicher Schäden bei. Seinen persönlichen Anteil muss jeder einzelne zu dem Kaufpreis des Plagiates addieren, damit er weiß, was ihn das Produkt wirklich gekostet hat. Macht man diese Rechnung auf, stellt sich das scheinbar so preiswert erworbene Plagiat unter Umständen am Ende als teuerer heraus als der Erwerb des Originals.

Quellen

[1] Gefährliche Plagiate
In diesem Blogbeitrag beschäftigte sich der Verfasser des vorliegenden Artikels unter dem Aspekt der Produktfälschung bereits im März mit der Thematik.
[2] Eroberung der Plagiate
"Erobern Plagiate die Welt?", fragt sich eine Autorin dieses Blogs.
Unterrichtsidee: Harte Fakten - Urheberschaft und Verlustrechnung
Über die Veranschaulichung und Beurteilung von Daten zu Urheberrechtsverletzungen im Softwarebereich lernen die Schülerinnen und Schüler Verfahren der darstellenden Statistik kennen. Sie recherchieren und interpretieren Daten, bestimmen Kriterien und Verfahren für deren statistische Darstellung und präsentieren ihre Ergebnisse in Plakatform.