Miturheberschaft

Blogbeitrag von RS, 25.02.2009

Teamarbeit und/oder Miturheberschaft? Neue Formen der Zusammenarbeit werfen in (urheber)rechtlicher Hinsicht neue Fragen auf.
Als typisches Beispiel für eine solche Entwicklung mögen die im Internet kostenfrei zur Verfügung stehenden Lexica (wie z.B. Wikipedia) stehen.
Was passiert in solchen Angeboten? Eine Vielzahl von Autoren tragen ihr gemeinsames Wissen zusammen und stellen dies der Öffentlichkeit kostenfrei zur Verfügung. Zu diesem Zwecke werden Texte eines Autors von anderen verändert und ergänzt – ein Fall von Teamwork im Internet-Zeitalter.

Die hinter solchen Angeboten stehende Philosophie weicht von der, die den urheberrechtlichen Vorschriften innewohnt, erheblich ab. Schützt die letztere das Werk eines Autors in weitem Umfang, strebt erstere die sogenannte Gemeinfreiheit, d.h. die allgemeine Zugänglich- und Verwertbarkeit auch zu kommerziellen Zwecken, von Werken an. Begründet wird dieser abweichende Ansatz damit, dass das Urheberrecht mit seinen einschränkenden Regelungen die Verbreitung und den Austausch von Wissen behindere. Nun mag man die Auffassung vertreten, dass jeder Autor für sich selbst entscheiden solle, welchen gedanklichen Ansatz er für den besseren halte. Indes wird diese Entscheidung durch bestimmte Regelungen des Urheberrechtes erschwert oder unmöglich gemacht.

Im westeuropäischen Rechtskreis wird – im Gegensatz zum anglo-amerikanischen Raum – eine untrennbare Verbindung zwischen dem Urheber und seinem Werk hergestellt. Dies bedeutet auch, dass auf gewisse Urheber(persönlichkeits)rechte nicht vollständig verzichtet werden kann.

Gelöst wird dieses Problem dadurch, dass sich derjenige, der Beiträge in solche Angebote einstellt, den Nutzungsbedingungen des Angebotes unterwirft. Anwendung findet die sogenannte GNU-Lizenz. Diese Lizenz wurde ursprünglich entwickelt, um die Weitergabe, Verwendung und Weiterentwicklung offener Software zu regeln, findet jedoch auch auf anderen Werkarten Anwendung. Durch diese Lizenz räumt der Urheber den übrigen Nutzern des Angebotes weitgehende Nutzungsrechte und insbesondere auch Bearbeitungsrechte hinsichtlich seines Werkes ein – er bleibt indes trotzdem Urheber seines ursprünglichen Werkes.

Bei der Veröffentlichung von Werken auf solchen Plattformen gelten also zunächst die allgemeinen urheberrechtlichen Regeln – der Schöpfer des Werkes ist dessen Urheber; wirken mehrere zusammen, so sind diese Miturheber. Wird das Werk nach seiner Veröffentlichung verändert, hat der Urheber dieser Veränderung zugestimmt. Abhängig vom Umfang der Veränderung kann dadurch gegebenenfalls ein neues Werk und damit ein neues Urheberrecht entstehen. Eine Miturheberschaft des Bearbeiters am ursprünglichen Werk ist indes bereits deshalb ausgeschlossen, da eine solche nur bis zur Veröffentlichung (=erstmalige Einstellung) begründet werden kann.
Wie verhält es sich nun mit der Nutzung von Texten aus solchen Angeboten. Nach der GNU-Lizenz ist eine kostenlose Nutzung – auch zu kommerziellen Zwecken – möglich, jedoch ist auf jeden Fall der Autor bzw. die Autoren zu nennen. Nicht zulässig ist folglich, solche freien Werke so zu benutzen als ob es eigene Werke seien oder den Anschein zu erwecken, es handele sich um ein eigenes Werk. Überdies verpflichtet sich ein Nutzer eines fremden Werkes unter der GNU-Lizenz dazu, daraus abgeleitete Werke wiederum im Rahmen dieser Lizenz zur Verfügung zu stellen.

Quellen

GNU Betriebssystem
[www.gnu.org | 28.02.2012 | 15:44]
Die deutsche Übersetzung der GNU-Lizenz
[www.gnu.de | 28.02.2012 | 15:49]