Wer ist Miturheber?

Blogbeitrag von RS, 12.02.2009

Wirken mehrere Personen bewusst und gewollt bei der Entstehung eines urheberrechtlichen Werkes in einer Art und Weise zusammen, dass die Beiträge jedes einzelnen allein nicht verwertbar sind, so liegt ein Fall der Miturheberschaft[1] im Sinne des § 8 UrhG vor.
Das Zusammenwirken von Beteiligten kann, wie die folgenden Beispiele zeigen sollen, in unterschiedlicher Art und Weise geschehen – die Ergebnisse sind in urheberrechtlicher Hinsicht unterschiedlich zu bewerten.
Ausgangspunkt gemeinsamer Arbeit ist häufig etwas, was neudeutsch Brainstorming genannt wird. Eine Mehrzahl von Personen findet sich zusammen und tauscht sich über ein Thema oder eine gestellte Aufgabe oder deren Lösung aus. Beispiel: Eine Arbeitsgruppe, die die Entlassungsfeier einer Schule vorbereitet, erarbeitet gemeinsam die Rede, die später vom Schulsprecher gehalten werden soll. Wichtig ist zunächst zu wissen, dass es sich bei dem Ergebnis um ein Sprachwerk im Sinne des Urheberrechtes handelt (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 UrhG). Es sind nun mehrere Geschehensabläufe denkbar:

[1] Werden von den Mitgliedern der Arbeitsgruppe ausschließlich Ideen und Anregungen über mögliche Inhalte des Vortrages in die Diskussion eingebracht, die von einem Gruppenmitglied notiert und anschließend von diesem in einem Redetext verarbeitet werden, ist nur diese Person Urheber. Allein der Redenschreiber hat den eigentlichen schöpferischen Akt, der ihn zum Urheber macht, vollbracht. Er hat den Ideen der anderen die eigentliche Gestalt gegeben.

[2] Anders verhält es sich, wenn die im Rahmen der Diskussion vereinbarten Einzelthemen auf die Gruppenmitglieder aufgeteilt, jedes Mitglied einen Teil des Gesamttextes schreibt und diese dann zu einem einheitlichen Vortrag zusammengefügt werden. In diesem Fall spricht man von einer so genannten horizontalen Arbeitsteilung. In den einzelnen Teilen des Vortrages kommt die gestalterische und schöpferische Tätigkeit des Verfassers zum Ausdruck. Da sich durch den Vortrag gedanklich ein „roter Faden“ zieht, sind die einzelnen Teile für sich genommen nicht vortragbar (=verwertbar). Daher handelt es sich um einen Anwendungsfall des § 8 UrhG – die Verfasser haben gemeinsam ein Werk geschaffen und sind dessen Miturheber.
[3] In dem Beispielsfall ist allerdings auch eine so genannte vertikale Arbeitsteilung denkbar. Diese wäre dann gegeben, wenn die Beteiligten die einzelnen Teile des Vortrages zwar inhaltlich gestalten, jedoch in textlicher Hinsicht zum Zwecke der Erreichung eines einheitlichen Sprachstils eine Bearbeitung durch eine Person unter Beibehaltung der vorgegebenen Inhalte erfolgt. Auch in diesem Falle wäre das Ergebnis ein einheitliches Werk, an dem auf die Beteiligten entweder in inhaltlicher oder in textlicher Hinsicht ein schöpferischer Anteil entfiele, die sie zu Miturhebern im Sinne des § 8 UrhG machen.

Quellen

[1] Teamwork oder nicht?
Hier befasst sich der Autor dieses Blogs mit der Frage, wann es sich um eine Miturheberschaft handelt.