Teamwork oder nicht?

Blogbeitrag von RS, 06.02.2009

Die Zusammenarbeit mehrerer zur Lösung einer gemeinschaftlichen Aufgabe wird in aller Regel das Ergebnis positiv beeinflussen.
Unterschiedliche Fähigkeiten oder Talente der Beteiligten gehen in das, was gemeinsam erreicht wird ein – die Summe dieser Fähigkeiten und Talente führen zu einer Verbesserung des Ergebnisses.
In juristischer Hinsicht sind mit einer solchen Zusammenarbeit indes zuweilen Probleme verbunden. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die Frage, wem das gemeinsam Erreichte „gehört“. Diese Frage wird gerade dann bedeutsam, wenn das Ergebnis in wirtschaftlicher Hinsicht von Bedeutung ist, denn dann stellt sich die Frage, wem der Erlös einer Vermarktung des Geschaffenen zusteht.

Das Urheberrecht gibt auf diese Frage eine Antwort, sofern es sich bei dem Ergebnis um ein Werk der Literatur, Wissenschaft oder Kunst handelt (§ 1 UrhG). In § 2 UrhG sind Beispiele für solche Werke genannt: Sprachwerke - also Texte jeglicher Form aber auch Computerprogramme fallen in diese Kategorie -, Musikwerke, Werke der bildenden Künste (Malerei, Bildhauerei), Filme, Fotografien und Darstellungen wissenschaftlicher oder technischer Art.

Ein solches Werk „gehört“ dem Urheber, d.h. ihm stehen die im Urheberrecht geregelten Rechte an dem Werk zu. Urheber ist der Schöpfer eines Werkes (§ 7 UrhG). Arbeiten mehrere Personen an der Schaffung eines Werkes mit, so sind diese nach § 8 UrhG dann gemeinsam Urheber eines Werkes (Miturheber), wenn sich ihre Anteile an der Schöpfung des Werkes nicht gesondert verwerten lassen.

Bedeutsam ist also zunächst, ob das Ergebnis der Zusammenarbeit ein Werk ist oder mehrere Werke im Sinne des Urheberrechtes sind. Handelt es sich um mehrere Werke, steht jedem Schöpfer des einzelnen Werkes das Urheberrecht zu. Voraussetzung dafür, dass es sich nur um ein Werk handelt, also eine Miturheberschaft entsteht ist, dass die Beiträge, die die Beteiligten geleistet haben, nicht für sich allein, also ohne den jeweils anderen Teil, verwertbar sind. Diese Voraussetzung ist dann gegeben, wenn die Beiträge der Beteiligten für sich allein kein Marktpotenzial haben, d.h. der eine Teil ohne den jeweils anderen unvollständig wird und der Ergänzung bedarf.

Deutlich werden diese theoretischen Überlegungen an Beispielen:

Mehrere Personen stellen ein Buch zusammen, das aus eigenen Texten, z.B. Gedichten, besteht. Die einzelnen Gedichte sind einzeln verwertbar, es handelt sich folglich um einzelne Werke, an denen dem jeweiligen Verfasser die Urheberrechte zustehen.

Demgegenüber sind mehrere Verfasser eines Bühnenstücks (Lustspiels, Schauspiels) Miturheber, wenn sie sich die Arbeit in der Form geteilt haben, dass unterschiedliche Szenen aus der Feder unterschiedlicher Personen stammen. Das Bühnenstück ist nur einheitlich verwertbar, denn es verlöre seinen Sinn, wenn etwa die erste und die dritte Szene ohne die inhaltlich dazwischen liegende zweite Szene aufgeführt würden – die Verfasser sind Miturheber.
Voraussetzung für die Entstehung einer Miturheberschaft ist überdies, dass die Beteiligten gewollt und bewusst zusammen gearbeitet haben – rein zufällig kann mithin durch mehrere kein gemeinsames Werk entstehen.

Unterrichtsidee

Unser Modell - Urheberschaft im Team
Als Erfinder in einem Team erstellen die Schülerinnen und Schüler ein Modell eines Farbkreisels zur optischen Farbmischung und stellen ihre Ergebnisse aus. Zur Vorbereitung der Präsentation setzen sie sich in Partnerinterviews mit Farb-Phänomenen auseinander, sammeln und dokumentieren Informationen und erarbeiten in Gruppen eigene Denkmodelle.