Aktuelle Probleme

Blogbeitrag von RS, 22.01.2009

Die Gesellschaft verabschiedet sich von der Frage nach Original und Urheber als Ausdruck von Kulturrealismus – so die Vermutung der Autorin des Blogbeitrags "Kopie war gestern..."[1].
Für den Urheber ebenso eine Horrorvision wie für die Gesellschaft. Aber der Reihe nach: Einiges der aktuellen Diskussion bedarf der juristischen Einordnung.
Das Landgericht München hatte in dem geschilderten Fall darüber zu entscheiden, ob Garry Moore ein eigenes Werk im Sinne des Urheberrechtes geschaffen hat oder das Werk eines anderen - ohne dessen Zustimmung - genutzt hat. Eine der grundlegenden Fragen, die sich nach dem Urheberrecht stellen: Wer hat durch seine schöpferische Leistung ein Werk im urheberrechtlichen Sinne geschaffen und damit gegebenenfalls einen kulturellen Beitrag geleistet? Eine unter Umständen nur mit großem Aufwand zu beantwortende Frage.

Ganz anders beim Kopieren, Klonen, Abkupfern oder wie sonst man die Vervielfältigung von Werken eines anderen nennen mag: Hier steht fest, dass derjenige der kopiert, klont oder abkupfert, nicht der Urheber des Werkes ist. In der Tat hat die digitale Welt eine Änderung in qualitativer Hinsicht mit sich gebracht. Die Kopie, der bereits begrifflich im Vergleich zum Original ein Qualitätsverlust innewohnt, wird ersetzt durch den Klon, die in qualitativer Hinsicht mit dem Original identische Vervielfältigung.

Zu klären bleibt nicht die Urheberschaft sondern nur, ob die Vervielfältigung rechtens war oder nicht. Das Gesetz nimmt eine begriffliche Unterscheidung zwischen Kopie und Klon nicht vor – beides sind – im Rechtssinne - Vervielfältigungen eines Werkes.

Welche (rechtliche) Bedeutung hat in diesem Zusammenhang der Verzicht der Internet-Musikläden auf den Kopierschutz? Das Prinzip des Urheberrechtes besteht darin, dass allein der Urheber darüber zu entscheiden hat, ob und in welchem Umfang sein Werk von Dritten vervielfältigt werden darf. Dieses Prinzip wird durch gesetzliche Vorschriften zum Teil durchbrochen, so z.B. in § 53 UrhG, der unter bestimmten Voraussetzungen die Anfertigung von Kopien von sog. audiovisuellen Werken (Musik und Film) zum „privaten und sonstigen eigenen Gebrauch“ – ohne die ausdrückliche Zustimmung des Urhebers - gestattet. Dies bedeutet indes nicht, dass der Urheber dies nicht auch unterbinden könnte.

Eine Grundlage dafür sind die §§ 95a ff UrhG, die sog. technische Schutzmaßnahmen (=Kopierschutz) unter den besonderen Schutz des Gesetzes stellen, in dem deren Umgehung untersagt und unter Strafe gestellt wird. Der Kopierschutz hindert somit – rechtmäßig – an der Anfertigung von sog. Privatkopien. Ist dieser nun nicht mehr vorhanden, bedeutet dies nur, dass die Anfertigung von Privatkopien nicht mehr grundsätzlich unzulässig ist. Es bleibt dabei, dass nur Kopien im gesetzlichen Rahmen des § 53 UrhG hergestellt werden dürfen. Davon ist insbesondere nicht gedeckt, der Verkauf von Kopien an Dritte oder das Einstellen solcher Werke in P2P-Netzwerke.

Die urheberrechtlichen Regelungen gelten daher, wenn auch bestimmte Begrifflichkeiten nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen, auch im digitalen Zeitalter und auch im Internet. Und das ist auch gut so!! Die Wertigkeit schöpferischen und damit auch kulturellen Schaffens kommt gerade durch den besonderen Schutz des Gesetzes zum Ausdruck.
Der Umstand, dass dieser gesellschaftliche Konsens häufig mit Füßen getreten wird, mag ein Ausdruck der geringen Bedeutung sein, die geistigem Eigentum in der Meinung vieler offenbar zukommt. Darauf indes so zu reagieren, diesen Schutz gleichsam im nacheilenden Gehorsam abzuschaffen, hätte für die weitere (kulturelle) Entwicklung unserer Gesellschaft fatale Folgen.

Quellen

[1] Kopie war gestern...
"Das Landgericht München hatte in dem geschilderten Fall darüber zu entscheiden, ob Garry Moore ein eigenes Werk im Sinne des Urheberrechtes geschaffen hat oder das Werk eines anderen - ohne dessen Zustimmung - genutzt hat."
Unterrichtsidee: Seriöse Vereinbarung - Urheberschaft und Vertrauen
Im Rahmen der Unterrichtsidee gewinnen, gewichten und präsentieren die Schülerinnen und Schüler Informationen zum sicheren Erwerb von Software auf verschiedenen Vertriebswegen und in unterschiedlichen Lizenzformen. Durch Interviews und Onlinerecherche erkunden sie Erfahrungswerte und Aspekte des Softwareerwerbs und definieren Kriterien für einen Katalog.