Globale Netze

Blogbeitrag von RS, 08.12.2008

Sind globale Netze ein Fluch oder ein Segen? Die Beantwortung dieser Frage wird sehr stark vom Auge des Betrachters oder vom Interesse des jeweils Betroffenen geprägt.
Durch die Schaffung globaler Netze wurde eine Kommunikationsplattform ohne Beispiel geschaffen. Daten, die jetzt in das Netz eingestellt werden, stehen innerhalb von Sekundenbruchteilen rund um den Globus zur Verfügung.
Hierbei macht das Internet grundsätzlich keinen Unterschied, ob es sich bei diesen Daten um Informationen, Musik, Filme, Software oder Bilder handelt – Unterschiede ergeben sich allenfalls in Abhängigkeit von der zu übertragenden Datenmenge und der Leistungsfähigkeit der zur Verfügung stehenden Leitung – dauert es Sekunden oder Minuten bis der jeweilige Internetnutzer die in einem kleinen Dorf im Mittelwesten der USA oder sonst wo eingestellten Daten irgendwo auf den sieben Kontinenten der Erde auf seinem eigenen Rechner hat?

Dies eröffnet noch vor wenigen Jahren für völlig unmöglich gehaltene Optionen der Verbreitung des eigenen Schaffens – und zwar unabhängig davon, worin es besteht. Einzige Voraussetzung: Das Ergebnis muss in digitaler Form darstellbar sein. Das Internet: Eine Marketing- und PR-Plattform von gigantischer Reichweite. Das Internet: Ersatz der herkömmlichen Vertriebswege, denen gemeinsam ist, dass die jeweiligen Daten zunächst auf einem Trägermedium, bestehe dies aus Papier, Leinwand, CD oder DVD, gespeichert werden muss. Lagerhaltung wird ebenso überflüssig, wie der unter Umständen aufwändige Transport des jeweiligen Datenträgers vom einen Ort zum anderen. Neue Formen der Verknüpfung des eigenen Schaffens mit den Werken anderer werden möglich. Der ebenso talentierte wie unbekannte Sänger oder Fotograf kann jeden, der es will, nicht nur über sein Schaffen informieren sondern auch unmittelbar daran teilhaben lassen.

Genau in diesem Umstand liegt indes der Übergang zwischen Segen und Fluch des Mediums. Dem Urheberrecht wohnt der Grundgedanke inne, dass dem das Werk Schaffenden die alleinige Verfügungsmacht über sein Werk zusteht. Diese beschränkt sich im Internet de facto sehr häufig allein auf die Entscheidung, das Werk ins globale Netz einzustellen – was danach damit geschieht, ist nur schwer und meist gar nicht zu kontrollieren. Doch damit nicht genug: entscheidet sich der Künstler für einen herkömmlichen Verbreitungsweg, unterlaufen andere diese Entscheidung und stellen das Werk, wenn auch in aller Regel illegal, ins Netz. Die in dem Beitrag „8 Jahre später“ geschilderten Vorgänge sind ein beredtes Beispiel dafür. Die Entscheidung der Gruppe AC/DC das neue Album als „Gesamtkunstwerk“ zu betrachten und nicht den (kostenpflichtigen) Download eines einzelnen Titels zu gestatten[1] ist nicht nur eine völlig legitime sondern den Grundsätzen des Urheberrechtes inne wohnende Entscheidung des Inhabers dieser Rechte. Man mag der Auffassung sein, dass diese Entscheidung antiquiert sei; dies berechtigt indes nicht sie zu ignorieren und zu unterlaufen. Dies hieße an den Grundlagen des Schutzes des geistigen Eigentums mit weitreichenden gesellschaftlichen Folgen zu rütteln.

Daran vermag auch der Umstand, dass die urheberrechtlichen Vorschriften aus einer weit vor der Existenz von globalen Netzten liegenden Zeiten stammen, nichts zu ändern. Auch kann man nicht leugnen, dass weder gesetzliche Regelungen noch vorhandene Geschäftsmodelle in vollem Umfang mit der technischen Entwicklung haben Schritt halten können. Juristisch formulierte Ansprüche und deren faktische Durchsetzbarkeit liegen in den globalen Netzen bisweilen sehr weit von einander entfernt.
Dies gilt im Übrigen auch für das Recht am eigenen Bild – und zwar in des Wortes doppelter Bedeutung: der Fotograf ist Inhaber der Urheberrechte an von ihm aufgenommenen Bildern; das Recht am Bild von einer Person wird durch die Persönlichkeitsrechte dieser Person geschützt. Auch in diesem Bereich werden sowohl die Urheberrechte als auch die Persönlichkeitsrechte durch tatsächliche Geschehnisse im Internet immer wieder in Frage gestellt.

Quellen

[1] "8 Jahre später..."
Auf die Marketingstrategie der Band AC/DC wird in diesem Blogbeitrag näher eingegangen.