Besitzverhältnisse

Blogbeitrag von RS, 14.10.2008

Die Klärung von urheberrechtlichen „Besitzverhältnissen“ ist nicht immer ganz einfach...
insbesondere dann, wenn es sich wie bei einem Blog, einer Webseite oder einer Zeitung in der Schule, im urheberrechtlichen Sinne nicht um ein Werk, sondern vielmehr um die Präsentation von mehreren, ja häufig einer Vielzahl von einzelnen Werken im Sinne des Urheberrechtes handelt.
Jeder Textbeitrag, jedes Bild ist Ausdruck einer geistigen Schöpfung dessen, der den jeweiligen Teil geschaffen hat – dem Urheber; jeder dieser Beiträge ist – im urheberrechtlichen Sinne – ein Werk. Sind die schöpferischen Beiträge mehrerer Personen in ein solches Werk eingegangen, sind diese gemeinsam Miturheber. Hat also beispielsweise ein Text zwei Co-Autoren, die an dem Entstehen des Textes mitgewirkt haben, kommt beiden gemeinsam die Stellung als Urheber dieses Textes zu.

Urheberschaft ist in unserem Rechtssystem untrennbar mit einer Person verbunden, die das jeweilige Werk geschaffen hat. Das Urheberrecht selbst ist daher ein persönliches, nicht auf einen Dritten übertragbares Recht. Eine Ausprägung dieses Rechtes ist die allein dem Urheber zustehende Entscheidung, ob sein Werk veröffentlicht werden soll. Eine Person, die einen Beitrag für einen Blog, eine Webseite oder eine Schülerzeitschrift verfasst, wird dies in aller Regel gerade mit der Intention tun, diesen im jeweiligen Medium zu veröffentlichen. Sie trifft also hinsichtlich der Veröffentlichung des Werkes eine positive Entscheidung.

Der Urheber erlaubt automatisch dem Betreiber des Blogs, der Webseite, der Schülerzeitung seinen Beitrag im jeweiligen Medium zu veröffentlichen. Dieser Betreiber wird damit durch den Urheber zum Inhaber von eigenen Rechten, sog. Verwertungsrechten. Diese sind – im Gegensatz zur Stellung als Urheber selbst – auf Dritte übertragbar. Zu diesen Rechten gehört untern anderem das Recht, das Werk zu verbreiten und öffentlich zugänglich zu machen.
Wie ist es also mit den urheberrechtlichen „Besitzverhältnissen“ bei einem Blog, einer Webseite oder einer Zeitung in der Schule? Die Schöpfer der einzelnen Werke sind und bleiben deren Urheber. Der Betreiber des Angebotes wird durch den Urheber zum Inhaber von urheberrechtlich geschützten Verwertungsrechten. Beide können sich damit gegen einen Missbrauch des einzelnen Werkes durch einen Dritten unter Berufung auf das Urheberrecht zu Wehr setzen.

Unterrichtsidee

Benjamin heute - Urheberschaft in digitalen Medien
Am Beispiel eines Aufsatzes von Walter Benjamin spielt die Unterrichtsidee didaktisch mit dem Verhältnis von Autor und Publikum. Die Schülerinnen und Schüler beginnen mit einer klassischen Lesung, an die sich eine individuelle Analyse und Rezension von Textauszügen anschließt. Als Verfasser der Rezension erfahren sie die Rolle des Urhebers und publizieren die Ergebnisse online.