Gefährliche Plagiate

Blogbeitrag von RS, 24.03.2009

Es erscheint verlockend, einen Kinofilm, der in den deutschen Kinos noch nicht angelaufen ist, mit Bier und Chips ausgestattet auf dem heimischen Sofa liegend, unter Nutzung der eigenen Surround-Anlage im Freundeskreis zu "genießen"
Also wird er rasch aus dem Internet geladen, auf dem lokalen Trödelmarkt oder in Polen oder Tschechien gekauft. Doch das böse Erwachen kommt – und das zwangsläufig.
Da das Bild in aller Regel in einem Kino von der Leinwand mit einem handelsüblichen Camcorder abgefilmt wurde, muss man eben damit leben, dass von Zeit zu Zeit einer der anderen Kinobesucher aufsteht und durch das Bild läuft, weil er zur Toilette muss oder Nachschub an Popcorn besorgen will. Und dann der Ton: Natürlich sprechen alle, die vor dem heimischen Bildschirm sitzen fließend englisch und können sowohl der Handlung folgen, als auch sämtliche Gags verstehen. Hilfreich ist, dass man durch das neben dem eigentlichen Filmton auf der Tonspur aufgenommene Gelächter der übrigen Kinobesucher deutlich auf die Stellen hingewiesen wird, an denen man lachen muss. Nur ärgerlich, dass der Nebenmann des Filmenden offensichtlich eine starke Erkältung hatte und permanent in die Dialoge niest und schnäuzt. Da ist es ein reines Glück, dass von Surround-Effekt keine Rede sein kann – denn Nase putzen über fünf Kanäle?

Doch in vielen Fällen bleibt es nicht bei bloßer Genusseinschränkung. Leicht wird es – wie im Falle des USB-Sticks[1] oder des T-Shirts mit dem Krokodil, das zwar nur fünf Euro gekostet hat, aber nach der ersten Wäsche auf etwa die Hälfte seiner ursprünglichen Größe geschrumpft ist – ärgerlich.

Hält sich der persönliche Schaden in diesem Falle noch in überschaubaren Grenzen, kann er auch größere Ausmaße annehmen. Als Beispiel sei das aus dem Internet heruntergeladene Computerspiel genannt. Der Fall, dass diese Software mit Viren verseucht ist, ist hier noch der "harmlose", obwohl er zur Folge haben kann, dass eigene Daten beschädigt oder verloren gehen oder der eigene Rechner unbrauchbar wird. Häufig ist diese Software indes mit sogenannter Spy Software versehen, die die auf dem Rechner gespeicherten Daten, insbesondere Kennwörter, an den "Lieferanten" übermitteln. Die Folge ist unter Umständen nicht nur die Überflutung des eigenen Rechners mit Spams. Ausgespähte Kennwörter oder Bankverbindungen können für Bestellungen auf Kosten des Rechnerbesitzers bis hin zu direkten Abbuchungen von seinem Bankkonto genutzt werden.

Aber es kann auch gefährlich werden. Man denke nur an die Plagiate sicherheitsrelevanter Bauteile für Mofas, Mopeds, Motorräder oder Autos, die im entscheidenden Moment ihren Dienst verweigern und damit Ursache von zum Teil schweren Unfällen sind. Oder das nachgemachte Medikament, dass zwar den gleichen Namen auf der Verpackung trägt wie das Original, in Wirklichkeit aber nur eine eingeschränkte oder gar keine Wirkung hat.
Natürlich taucht dann immer wieder das Argument auf, dass die Originale wesentlich teurer seien als die Plagiate und die Hersteller von Originalen erhebliche Gewinne machen. Wer indes glaubt, dass die Zielsetzung der Hersteller und Vertreiber von Plagiaten sozialer Natur sei, irrt. Sie umgibt keinesfalls die Aura eines Robin Hood oder der Piraten, wie wir sie aus den Hollywood Filmen der 50er und 60er Jahre kennen. Sie wollen nicht den Armen helfen oder für das Gute kämpfen – sie wollen schlicht "Kohle" machen und das auf Kosten anderer. Und das trifft nicht nur die Hersteller von Originalen, sondern auch diejenigen, die diese Produkte kaufen. Ein scheinbares Schnäppchen erweißt sich hier häufig als Bumerang.

Quellen

[1] Wenn Shooter schummeln
Mehr über USB-Stick Plagiate in diesem Blogbeitrag vom 05. März 2009.
Unterrichtsidee: Harte Fakten - Urheberschaft und Verlustrechnung
Über die Veranschaulichung und Beurteilung von Daten zu Urheberrechtsverletzungen im Softwarebereich lernen die Schülerinnen und Schüler Verfahren der darstellenden Statistik kennen. Sie recherchieren und interpretieren Daten, bestimmen Kriterien und Verfahren für deren statistische Darstellung und präsentieren ihre Ergebnisse in Plakatform.