Internetrecherche

Blogbeitrag von RS, 16.03.2010

Ich bin Lehrer und möchte gerne mit einer 8. Klasse eine unterrichtsbezogene Internetrecherche durchführen.
Da ich in einem solchen Fall relativ viele Schülerinnen und Schüler gleichzeitig beaufsichtigen muss, kann ich nicht immer für eine seriöse Nutzung Einzelner garantieren.
Fragen:
Wie verhält es sich in solchen Fällen mit der Aufsichtspflicht?
Gibt es eine technische Möglichkeit Schutzmaßnahmen einzurichten, die eine unsachgemäße Internetnutzung unterbinden?
Antwort:
Die jeweilige Lehrkraft trifft die allgemeine schulische Aufsichtspflicht auch im Rahmen der Internetnutzung durch die Schülerinnen und Schüler – hierfür gelten in unterschiedlichen Bundesländern unterschiedliche gesetzliche Vorschriften oder verwaltungsrechtliche Anordnungen, sowie die allgemeinen Regeln zum Umfang der Aufsichtspflicht. Aufgrund jungendschutzrechtlicher Vorschriften ist der Zugang zu Angeboten, die nicht für Minderjährige geeignet sind, zu unterbinden.

Es liegt auf der Hand, dass bei einer größeren Anzahl von Kindern nicht ständig die Inhalte, die jeder einzelne aufruft, kontrolliert werden können. Es ist jedoch sicher zu stellen, dass einzelne Schülerinnen und Schüler nicht für längere Zeit unbeobachtet im Internet "surfen". Die Lehrkraft sollte daher einen Standpunkt hinter den Bildschirmen wählen, von dem aus er möglichst alle Bildschirme gleichsam summarisch im Blick und damit im Falle von auffälligen oder themenfremden Inhalten einen schnellen Zugriff auf den jeweiligen Schüler hat. Technische Möglichkeiten, etwa in Form von entsprechender Filtersoftware, werden angeboten, können jedoch die "manuelle" Kontrolle nicht ersetzen sondern nur ergänzen.

Hintergrund:
Es gelten zunächst die allgemeinen Regeln hinsichtlich der Aufsichtpflicht der Schule bzw. der jeweiligen Lehrkraft im Rahmen von schulischen Veranstaltungen. Insofern ist zunächst auf die in den einzelnen Bundesländern zwar ähnlichen, im Detail aber durchaus abweichenden, Schulgesetze, sowie die zur Nutzung des Internets ergangenen Verwaltungsanordnungen im schulischen Bereich zu verweisen. Eine besondere Pflicht ergibt sich indes hinsichtlich jugendschutzrechtlicher Gesichtspunkte, wenn die Schule, wie vorliegend, den Schülerinnen und Schülern den Zugang zum Internet ermöglicht. Hier sind insbesondere die Vorschriften des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages (JMStV[1]) zu nennen. Nach § 2 Nr. 1 Telemediengesetz (TMG), dessen Vorschriften im Rahmen des JMStV Anwendung finden, ist Diensteanbieter u.a. derjenige, der den Zugang zu Telemedien (=Internet) vermittelt. Der JMStV untersagt in den §§ 4 und 5 Kindern jugendgefährdende und jugendbeeinträchtigende Inhalte zugänglich zu machen. Vorsätzliche oder fahrlässige Verstöße können nach den §§ 23 und 24 JMStV als Straftat oder Ordnungswidrigkeit geahndet werden.

Der zur Aufsicht Verpflichtete kann diesen Anforderungen durch den Einsatz von technischen Maßnahmen nicht gerecht werden. Technische Maßnahmen können daher immer nur als Ergänzung persönlicher Aufsicht genutzt werden. Verfügbar sind eine Reihe von technischen Maßnahmen, insbesondere im Bereich der sog. Filtersoftware. Ungeachtet dessen, ob diese mit sog. Negativ- (=Sperrung bestimmter Angebote), Positivlisten (=Zulassung von bestimmten Angeboten) oder mit Alterseinstufungen arbeiten, gewähren diese Hilfsmittel keinen umfassenden Schutz.
Filtersoftware mit Negativlisten sperren nur den Zugang zu solchen Angeboten, die zuvor in die Filtersoftware eingegeben worden sind; Positivlisten haben häufig zur Folge, dass ein wirkliches Recherchieren im Internet kaum mehr möglich ist, da nur ein bestimmtes, vorher festgelegte Angebot überhaupt aufgerufen werden kann; die Wirksamkeit von sog. Ratingsoftware setzt voraus, dass die Internetangebote auch tatsächlich mit einer Alterseignung versehen sind. Ist dies nicht der Fall, wird das Angebot unabhängig von seinem Inhalt in aller Regel gesperrt. Der Einsatz von technischen Maßnahmen setzt daher intensive und umfangreiche Vorarbeiten des jeweiligen Lehrers voraus, um einen effizienten aber wenig einschränkenden Gebrauch zu ermöglichen.

Quellen

[1] Jugendmedienschutz-Staatsvertrag - JMStV
Staatsvertrag über den Schutz der Menschenwürde und den Jugendschutz in Rundfunk und Telemedien.
[www.artikel5.de | 08.03.2012 | 16:32]
Internetnutzung & Recht
Weiterführende Informationen zum Thema Internetnutzung im Klassenzimmer.
[www.lehrer-online.de | 08.03.2012 | 16:44]
Unterrichtsidee: Erfolgreich Publizieren
Über das Schreiben einer Rezension werden die Schülerinnen und Schüler selbst Urheber und erleben Urheberschaft in einem individuell gestalteten Prozess. Sie lernen dabei den verantwortungsvollen Umgang mit fremdem Material und erkennen den Wert geistigen Eigentums.